Vertrocknetes Vertrauen neu beleben

32
Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über Beistand in der Dürre

Dies ist das Wort, das der HERR zu Jeremia sagte über die große Dürre: Die Großen schicken ihre Diener nach Wasser; aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer zurück. Sie sind traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter. Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann? Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht! 

Jeremia 14,1.3–4.7–9

Ausgetrocknete Erde. Risse, die sich wie Wunden durch den staubigen Boden ziehen. Leere Gefäße. Der im letzten Jahr verstorbene bekannte brasilianische Fotograf Sebastião Salgado hat solche Bilder in den 1980er- Jahren in der Sahel-Zone festgehalten: die Not einer hungernden Bevölkerung, verzweifelte Menschen in einer verdorrten Landschaft.

Juda und Jerusalem erleben genau das: Die Dürre lässt das Land verdorren und die Menschen verzweifeln. Alle kommen mit leeren Gefäßen zurück. Juda liegt jämmerlich da. Und dann der Aufschrei: Wo bist du, Gott? Warum hilfst du nicht?

In der Zeit nach Weihnachten, der Epiphaniaszeit feiern wir die Erscheinung des Herrn. Doch manchmal scheint er fern, fremd, nicht zu greifen. „Gerade in der Weihnachtszeit ist alles so leer in mir“, erzählte mir ein älterer Herr bei einem Besuch.

An Weihnachten waren in unserer Kirche Trostworte in den Christbaum gehängt: Einzelne Karten mit Worten wie „Friede“, „Geborgenheit“, „Licht“, „Neuanfang“ – gemeinsam mit Bibelversen, die einen ins neue Jahr begleiten. Man konnte sich eine Karte aussuchen und mitnehmen in die kommende Zeit. Als Erinnerung, als Zuspruch, als Bilder für das, was wir erhoffen.

Das Volk Israel würde die Karte „Vertrauen“ wählen: „Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen.“ Gott hatte Mose seinen Namen am brennenden Dornbusch offenbart: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ und hat gezeigt, wer er ist. Er steht an der Seite seines Volkes. Auch wenn wir Gott nicht greifen können, Gott ist unter uns.

Sebastião Salgado etwa kehrte auf die ausgedörrte Farm seiner Familie in Brasilien zurück. Gemeinsam mit seiner Frau pflanzte er über zweieinhalb Millionen Bäume. Heute ist dort ein blühendes Paradies entstanden. Wasser fließt wieder, Tiere sind zurückgekehrt. Am Ende steht das Leben – gegen alle Trockenheit, die Salgado bekämpft hatte.

Epiphaniaszeit – Gott zeigt sich auch in der Dürre unserer Zeit. Beherztes Tun, Zuhören, Dasein, Beten tragen Früchte. „Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen.“ Dieser Satz trägt. Er ist ein Bekenntnis. Eine Zusage. Ein Anfang. Amen.

Heinrich Busch, Studierendenpfarrer Bayreuth

Gebet: Gott, du Quelle des Lebens,  wir bringen dir unsere Dürre – die der Erde und die unserer Herzen. Wo wir an dir zweifeln, stärke unseren Glauben. Wo wir schuldig geworden sind, schenke uns Umkehr. Wo wir verzagen, lass uns nicht los.  Du bist unter uns, auch wenn wir dich nicht sehen. Darauf vertrauen wir. Amen.

Lied EG 74: Du Morgenstern