
Editorial von Raimund Kirch im Evangelischen Sonntagsblatt über den Luxus von Zeitzungen
Mitten in der Fastenzeit spreche ich vom Luxus. Vom Luxus, den Sie liebe Leserinnen und Leser sich leisten, wenn sie das Evangelische Sonntagsblatt aus Bayern lesen oder gar abonniert haben. Einst war dieses Sonntagsblatt ein fast nicht wegzudenkendes Medium in vielen evangelischen Familien. Sozusagen die wöchentliche geistige und geistliche Nahrung für Menschen mit einer Nähe zum Glauben und der Neugier auf Theologie sowie kircheninterne Nachrichten. Das „Rothenburger“ hatte einmal eine stolze Auflage, die immer noch ansehnlich ist. Aber wie die allermeisten Printmedien kommen leider kaum neue Abonnenten hinzu.
Das veranlasst mich zu der Annahme, dass viele Medienkonsumenten auf anderes Lesefutter umgestiegen sind. Denn es wird auch heutzutage ja nicht weniger gelesen. Im Gegenteil. Allerdings guckt man jetzt auf einen Bildschirm oder das Handy; und auch die Art der Informationsgewinnung hat sich geändert. Man konsumiert in kurzen Happen und lässt sich vor allem in seiner Meinung bestätigen.
Kurzum: mediales Fastfood ist angesagt, das den Publikumsgeschmack trifft aber wenig Nährwert hat und dick macht. Denn unangenehme Nachrichten werden erst gar nicht abgefragt. Das so genannte Streamen von Filmen und Nachrichten ist ebenfalls ein Konkurrent für Tageszeitungen und Wochenblätter wie dieses. Vor einem solchen Hintergrund kann ich Abonnentinnen und Abonnenten des Sonntagsblatts nur als Gourmets bezeichnen, die Kommentare, Berichte und Reportagen – nein: nicht genießen – aber immerhin zu schätzen wissen. Wichtig sind der Redaktion unter Leitung von Susanne Borée auch die scheinbar kleinen Mitteilungen aus den Gemeinden, an denen sich jedoch ablesen lässt, wie vielfältig, engagiert und vital es trotz des vielen Gejammers über die nachlassende Bindekraft der Kirche noch zugeht.
Ich zum Beispiel beginne meine wöchentliche Sonntagsblatt-Lektüre immer mit der letzten Seite. Da tauchen Nachrichten auf, die ich sonst nirgendwo in anderen Medien so kompakt und informativ finden kann. Und dann wundere ich mich auch über den breiten Horizont und den Ideenreichtum der Redaktion. Ein Luxus, den ich mir gern gönne. Und den ich auch jetzt, und gerade jetzt in der Passionszeit, guten Gewissens empfehlen kann.

























