Beharrliches Unkraut kehrt zum Leben zurück

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Chefredakteurin Susanne Borée, Hintergrundbild von Erich Kraus

Editorial von Chefredakteurin Susanne Borée im Sonntagsblatt über das ständige Auferstehen des Löwenzahns

Bald kommt er wieder – der Löwenzahn in unserer Einfahrt! Dessen bin ich gewiss! Zwischen den Fugen schiebt er immer wieder seinen Halm empor – egal, was ich dagegen tue. Ob ich ihn mit dem Fugenkratzer zu Leibe rücke oder mit kochend heißem Wasser, das ist ganz egal. Irgendwo überdauert tief unter den Pflastersteinen seine Wurzel – und die Pflanze feiert nach einigen Wochen wieder fröhlich Auferstehung. 

Kein noch so harter Winter kann sie endgültig zerstören: Sie treibt im Frühjahr wieder aus. Oder vielleicht überdauern nur die Samen und es ist schon die x-te Generation, mit der ich wieder den Kampf aufnehme, sobald der Frühling beginnt?

Ich weiß, ich könnte auch hochrüsten mit allerlei chemischen Keulen oder einem Abflammgerät, aber solch ein Gemetzel widerstrebt mir.

Zu viel Gewalt geschieht ohnehin: Bilder von zerstörten Häusern, von trauernden Familien und von Menschen auf der Flucht lassen sich immer weniger auf Abstand halten. Sie scheinen uns zuzurufen: Ist es nicht ehrlicher, beim Karfreitag zu verharren?

Auch wenn ich lieber ein etwas weniger beharrliches Kraut vor mir hätte, erscheint es als ein Hoffnungszeichen: Ostern erzählt genau davon. Nicht von einer heilen Welt, sondern von einer Verwurzelung, die stärker ist als Zerstörung und Angst. Die ersten Menschen, die vom leeren Grab hörten, lebten in Unterdrückung und Unsicherheit. Gerade in dieser bedrängten Wirklichkeit wurde die Botschaft von der Auferstehung zu einer Kraft, die sie aufstehen ließ.

Ihre „Frohe Botschaft“ erzählt von Begegnungen mit dem Auferstandenen, die größer bleiben als jede Erklärung. Auferstehung ist deshalb nicht nur ein historisches Ereignis. Sie ist eine wirksame Hoffnung – mitten in einer Welt, die den Tod nicht überwinden kann.

Ostern verschließt nicht die Augen vor dem Leid der Welt. Es hält daran fest, dass Gott mitten in dieser Welt neues Leben wachsen lässt. Vielleicht ist die Botschaft vom Auferstehen aktuell wichtiger denn je. Sie erinnert uns daran, dass Hoffnung kein Luxus ist und kein pastellfarbenes Geschenk (wie gut, dass das Fest weit weniger als Weihnachten im Konsumrausch erstickt) – sondern Beharrlichkeit. 

Wie „mein“ Löwenzahn. Allmählich nötigt er mir Achtung ab: Ich lasse ihn inzwischen auch gerne mal ein paar Tage länger stehen. Oder ich reichere mit seinen Blättern meinen Salat an. Die Wurzel darf inzwischen überdauern.