
Landessynode nahm ihre Arbeit auf – und traf erste richtungsweisende Entscheidungen
Gerade erst trat die neu gewählte Bayerische Landessynode frisch zusammen – und hat doch schon eine ganze Menge Arbeit erledigt: In einer Atmosphäre der Aufbruchstimmung schienen die Delegierten keine Zeit verlieren zu wollen: Sie blieben nicht bei Wahlen stehen, sondern entschieden bereits über die ersten Zukunftsfragen einer Kirche im Umbruch:
Wahlen zur Synodalleitung
Mehrere Wahlgänge waren nötig, dann stand das zentrale zwölfköpfige Leitungsgremium der Landessynode fest: Der Landessynodalausschuss (LSA). Seine Mitglieder sind Reiner Anselm, Samuel Bammessel, Gesine Clotz, Stefan Fischer, Regina Fritz, Sabine Geyer, Luisa Herrmann, Britta Müller, Daniela Schmid, Carina Sehmisch, Friedrich Sichermann und Markus Wierny.
Damit fanden sowohl ordinierte als auch nicht ordinierte Synodale zusammen. Alle Altersstufen sind vertreten – Friedrich Sichermann etwa ist einer der jüngsten Synodalen. Sie bilden mit der neu gewählten Synodalpräsidentin Tanja Keller und ihren beiden Stellvertretern Frank Bienk und Luca-Fynn Schieblich das zentrale Organ, das zwischen den Synodentagungen die Geschäfte führt. Damit ist die Handlungsfähigkeit der Landessynode auch zwischen den Sitzungen gesichert – ein wichtiger Schritt in einer Zeit, in der Entscheidungen oft schneller getroffen werden müssen als früher.
Auch das Präsidium wurde komplettiert: Mit der Pegnitzer Neurologin und Palliativmedizinerin Daniela Senger und dem 28-jährigen Doktoranden Joel Brodersen als Schriftführer. Die Mischung aus Erfahrung und jungen Stimmen steht bildlich für die Erwartungen der Synode: Für eine Kirche, die sich erneuert, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.
Schulterschluss angeboten
Auch der Landeskirchenrat – zu dem der Landesbischof, die Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter im Landeskirchenamt sowie die Regionalbischöfinnen und Regionalbischöfe gehören – suchte demonstrativ den Schulterschluss mit den neuen Synodalen. „Wir sind aufeinander angewiesen, wenn wir mit unserer Kirche in die Zukunft gehen wollen“, erklärte etwa Personalchef Stefan Reimers und warb für vernetztes und transparentes Arbeiten.
Die Herausforderungen der Zukunft sind bekannt. Sinkende Mitgliederzahlen, weniger Pfarrpersonen, knapper werdende Finanzen. Multiprofessionelle Teams sollen künftig in den Regionalgemeinden stärker zusammenarbeiten – von Theologen über Religionspädagoginnen bis zu Kirchenmusikern. Schon heute, berichtet Regionalbischof Klaus Stiegler, sei Teamarbeit in Diasporagebieten längst Alltag.
Besonders eindrücklich erscheint seit längerem die finanzielle Perspektive: Bis 2035 werden die Finanzen der bayerischen Landeskirche real um rund 40 Prozent sinken. Gleichzeitig soll Jugendarbeit gestärkt und Bildung ausgebaut werden – von der Kita bis zur Erwachsenenbildung. Und auch der Bestand der rund 6.000 kirchlichen Gebäude soll in den nächsten zehn Jahren halbiert werden.
Mut zum Wandel
Den programmatischen Ton setzte Synodenpräsidentin Tanja Keller gleich nach ihrer Wahl. „Nichts ist in Stein gemeißelt. Auch unsere Kirche nicht“, so die Juristin. Was heute selbstverständlich erscheine, werde sich verändern – und das sei kein Verlust, sondern Teil des kirchlichen Auftrags. Kirche müsse sich wandeln, „um das Wort Gottes wieder zu den Menschen zu bringen“.
Nicht erst in drei Jahren könne man damit beginnen, über Zukunftsfragen zu reden, sondern jetzt. Ihre Vision: In 15 Jahren soll man zurückblicken und sagen können, dass die Kirche trotz aller Unsicherheit mutige Entscheidungen getroffen hat. Keller spricht von einer lernfähigen, vielfältigen Kirche, die unterschiedliche Lebensrealitäten ernst nimmt und neue Formen der Begegnung mit den Menschen vor Ort weiterentwickelt.
Auch Landesbischof Christian Kopp warb um Vertrauen. Niemand wolle Kirchengemeinden abschaffen, betonte er. Im Gegenteil: Die kreativen Kräfte vor Ort sollten gestärkt werden. Gleichzeitig müsse man aber lernen, mit weniger Ressourcen auszukommen. „Die Beschäftigung mit dem Weniger ist eine ganz normale menschliche Tätigkeit“, sagt Kopp. Dazu gehöre auch „die Kunst des klugen Loslassens“.
Kopp spannt den Bogen noch weiter: Kirche müsse auch gesellschaftlich Orientierung geben, Räume schaffen, in denen Spannungen ausgehalten und Vertrauen aufgebaut werden können.
Kopp warb für eine stabile Demokratie und erinnert an den Auftrag der Kirche, auf der Seite der Armen zu stehen. „An den Armen erkennt man die Gerechtigkeitsfrage einer Gesellschaft“, sagt er. Die Nächstenliebe bleibe der Kern kirchlichen Handelns.
Besonders sensibel sei der Umgang mit Aufgabe Kirchengebäuden. Viele Menschen verbinden mit ihnen Taufen, Hochzeiten, Erinnerungen. Deshalb brauche es Raum für Trauerprozesse, mahnte Synoden-Vizepräsident Frank Bienk. Abschied müsse möglich sein, damit Neues entstehen könne.
Kooperationen mit Kommunen, Staat und katholischer Kirche könnten helfen, Kirchen und Gemeindehäuser gemeinsam weiter zu nutzen – diese Möglichkeiten sollten auch in den Gemeinden weiter bedacht werden, so war aus der Synode zu hören.
Erste Reform beschlossen
Dass die Delegierten in Bayreuth nicht nur redeten, sondern bereits handelten, zeigte der erste Gesetzesbeschluss dieser Legislaturperiode. Eine Verwaltungsreform wurde verabschiedet und soll bereits am 1. Mai in Kraft treten. Ziel ist es, die Verwaltung auf mittlerer Ebene neu zu organisieren und effizienter zu machen.
Künftig sollen Regionalverwaltungen verbindlich zusammenarbeiten, Finanz- und Personalplanung besser abgestimmt werden. Auch das Meldewesen wird zentralisiert, ein Kompetenzzentrum ist ab 2027 geplant. Auch durch die aktuellen digitalen Möglichkeiten entstehen Möglichkeiten der Modernisierung bei diesen Verwaltungsstrukturen. Die kirchliche Publizistik wiederum soll doch erhalten bleiben (nächste Seite).Weitere Reformschritte sollen bereits bei der Herbstsynode folgen.
Auftakt mit Signalwirkung
Bei der Tagung in Bayreuth blieb der Eindruck eines Aufbruchs. Die neue Landessynode hat sich organisiert, den Dialog mit der Kirchenleitung gesucht, programmatische Leitlinien formuliert und ein erstes Reformgesetz verabschiedet. Der Auftakt ist gemacht, um weiter miteinander im Gespräch zu bleiben, arbeitsfähig zu werden – und mutig Schritt für Schritt voranzugehen.



























