Wie Evangelische im Osten Sloweniens seit langem wirksam sind und Geschichte tragen
Teil 2: Blick in die Region
Solche kontinuierlichen Amtszeiten der evangelischen Seelsorgenden wie in Bodonci sind im Osten Sloweniens keine Ausnahme: Auch im Dorf Gornji Slaveči, nur ein Dutzend Kilometer nördlich von Bodonci, wirkte Pfarrer Karel Kovac ebenfalls ein gutes halbes Jahrhundert – von 1925 bis 1978. Und die aktuelle Pfarrerin Simona Prosič Filip ist dort bereits ununterbrochen seit 1997 tätig.
Wie stark kontinuierliche Pfarramtszeiten eine Gemeinde prägen können, zeigt sich im Vergleich mit dem nur wenige Kilometer entfernten Ort Selo – zwischen Bodonci und der heutigen ungarischen Grenze gelegen. Der Kirchenbau hier musste lange ruhen. Denn er begann ausgerechnet im August 1939, wurde durch den Zweiten Weltkrieg gestoppt und konnte erst 1966 abgeschlossen werden.
Auch in Selo erfolgten nun Sanierungen, etwa für eine Toilette im Eingangsbereich, den Zugang zur Empore und das Taufbecken. Doch die Kirche wirkte beim Besuch der GAW-Delegation Ende November viel weniger lebendig. Natürlich gibt es weniger Gemeindemitglieder. Gottesdienst wird alle zwei Wochen gefeiert. Da der Pfarrer mehrere Orte betreut, gibt es kaum weitere Veranstaltungen.
Zentrum mit Ausstrahlung
Hebt man den Blick vom Dorf zum regionalen Zentrum Murska Sobota, verdichten sich die Linien dieser Geschichte. Mit rund 11.000 Einwohnern ist die Stadt das urbane Herz Prekmurjes – und zugleich ein Ort evangelischer Kontinuität. Zuerst wurden die Protestanten der Stadt vom nahe gelegenen aber nur so großem Ort Puconci aus betreut. Dort entstand nach dem Toleranzedikt bereits 1784 die erste evangelische Kirche der Region.
Als erster Pfarrer in Murska Sobota wirkte dann ebenfalls über lange Jahrzehnte Štefan Kovač (1892–1945). Der aktuelle Seelsorger, Leon Novak (*1963), ist seit 1995 vor Ort. Zudem führt er das Erbe seines Vaters Ludvik Novak (1930–1997) weiter, der seit 1977 als evangelischer Geistlicher in Murska Sobota tätig war. Des weiteren leitete bereits Ludvik Novak von 1971 bis 1995 die Evangelische Kirche in Slowenien. Sohn Leon Novak folgte diesem Weg. Er wirkte zudem als Bischof dieser Evangelischen Kirche von 2019 bis 2025.
Besonders sichtbar wird diese Bedeutung der Kontinuität in der diakonischen Arbeit. Die Diakonie EHO Podpornica der kleinen lutherischen Kirche steht wachsenden sozialen Herausforderungen gegenüber. Gerade der stark nachgefragte Dienst „Essen auf Rädern“, bei dem täglich über 120 warme Mahlzeiten gekocht und zu älteren oder kranken Menschen gebracht werden, benötigt dringend bessere Bedingungen. Auch der Verleih von mehr als 150 Pflegebetten sowie orthopädischen und medizinischen Hilfsmitteln braucht zusätzliche Lager- und Arbeitsflächen, um besser helfen zu können.
Deshalb soll das Evangelische Zentrum in Murska Sobota durch einen Anbau erweitert werden. Das Gustav-Adolf-Werk unterstützte dieses Vorhaben mit rund 10.000 Euro.
Doch gab es zahlreiche Verzögerungen: Zunächst brachte die Corona-Pandemie die Planungen fast zum Stillstand. Kurz darauf verstarb der verantwortliche Architekt, sodass neue Planungen nötig wurden. Zudem zog eine fehlerhafte Grundstücksvermessung eine neue Prüfung nach sich. Die nun vorgeschriebene archäologische Untersuchung des Baugrunds verzögerte das Verfahren zusätzlich. Dabei wurde sogar ein jüdischer Gedenkstein entdeckt, dessen fachgerechte Dokumentation weitere Kosten verursachte und zeitaufwendig ist. Doch nun, im Frühjahr 2026, soll der Bau beginnen.
Mit langem Atem
Die Region zeigt, dass Kirche dort stark ist, wo sie bleibende Strukturen schafft und trotz ihrer Minderheitenlage ein lebendiger Teil des Ortes bleibt. Und wo Unterstützung von außen – wie durch das Gustav-Adolf-Werk – effizient und nachhaltig ansetzt. Vielleicht braucht es gar so endlose Amtszeiten der Seelsorgenden, doch das Prinzip „Treue statt Tempo“ kann auch uns bei der aktuellen Entwicklung von Gemeinden ein Beispiel geben und Sicherheit vermitteln.
Auch heute ist durchaus eine Zeit schneller Wechsel und brüchiger Bindungen. Kirchliche Beständigkeit zeigt, dass ihre Zukunft nicht allein aus Programmen entsteht, sondern aus Beziehungen, Geduld und Vertrauen – über Generationen hinweg.
=> Zum 1. Teil: Kontinuität in Bodonci
=> Allgemeine Informationen über Lutheraner in Slowenien
=> Mehr Informationen zum Diakoniezentrum in Murska Sobota vom Gustav-Adolf-Werk




























