Lutheraner in Slowenien – eine Minderheit wirkt wie das „Salz in der Suppe“

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Karte Sloweniens und der Prekmurje. Bilder: evso
Karte Sloweniens und der Prekmurje. Bilder: evso

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„Liebe Slowenen“ – mit dieser Anrede beginnt der Katechismus des Reformators Primus Truber (1508–1586). „Damit hat er unserem Volk erstmals einen Namen gegeben“, so die Protestanten Sloweniens. Obwohl ihre Kirche heute nur 14 Gemeinden mit insgesamt rund 10.000 Mitgliedern bei etwa 2,1 Millionen Staatsbürgern zählt, ist der Reformationstag ein staatlicher Feiertag. Daneben ist die protestantische Minderheit auch sozial engagiert.

Um den Katechismus überhaupt schreiben zu können, entwickelte Truber erstmals eine Schrift. Sie fußt auf dem lateinischen Alphabeth, gebraucht aber viele Häkchen und Akzentchen, um alle Laute wiedergeben zu können. Er musste für seinen Einsatz zum evangelischen Glauben fliehen – und wirkte später in Rothenburg ob der Tauber , Tübingen und Urach.

Schon im 16. Jahrhundert gelangten Trubers Bücher und slowenische Bibelübersetzungen aus Deutschland – teils als Schmuggelware oder gar in Weinfässern versteckt – zurück ins heutige Slowenien. Mit großer Wirkung: Ende des 16. Jahrhunderts war offenbar die Mehrheit der Menschen im heutigen Slowenien lutherisch. Bildung in der eigenen Sprache wurde erstmals möglich.

Die Gegenreformation, die spätestens nach dem Dreißigjährigen Krieg brutal einsetzte, beendete diese Blütezeit abrupt. Protestanten mussten auswandern oder ihrem Glauben abschwören. Erst das Toleranzpatent von 1781 ermöglichte in den Habsburger Gebieten wieder evangelisches Leben.

Doch gerade im ungarischen Reichsteil gab es einzelne Toleranzkirchen – so genannte Artikularorte – in denen Protestanten Gottesdienste besuchen konnten. Štefan Küzmicˇ (1723–1779), nach dem etwa die Kirche in Bodonci benannt ist, war in einem dieser Orte Lehrer. Er übersetzte das Neue Testament in die Sprache von Prekmurje – heute wohl eher ein slowenischer Dialekt, aber damals auch eine eigene Literatursprache. Daneben verfasste er auch einen Katechismus und dichtete Lieder in seiner Sprache. Er war also durchaus ebenfalls kulturell bedeutsam.

Nach dem Toleranzpatent von 1781 konnte sich eine erste evangelische Gemeinde in der Region in Puconci gründen. Deshalb fand dort auch die Bischofsübergabe Ende 2025 statt. Bald kamen weitere Gemeinden hinzu.

In der Hauptstadt Ljubljana fasste der Protestantismus erst nach 1848 wieder Fuß. Schon nach Ende des Ersten Weltkrieges mussten viele evangelische Familien das Land verlassen. Doch das Gebiet Prekmurje mit seinen evangelischen Traditionen war 1919 vom ungarischen Reichsteil nach Slowenien gekommen. In Ljubljana, das nun zum Königreich Jugoslawien gehörte, überlebte nur der evangelische Frauenverein.

Nach 1945 enteignete die neue sozialistische Obrigkeit die Kirche, da sie die Gemeinde als Vertretung der deutschen Minderheit ansah. Damals vertrieben die Kommunisten unter Josip Tito auch viele Angehörige der evangelischen Gemeinde, die als „Deutsche“ galten. Nur im Übermur-Gebiet im Osten war noch evangelisches Leben möglich. Erst langsam fasste es in den darauffolgenden Jahrzehnten etwa in Ljubljana wieder Fuß.