Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Raimund Kirch
Der Bamberger Architekt Christoph Gatz liebt Kampanile, so werden einzeln stehende Glockentürme genannt. Man kennt sie vor allem aus Italien. Aber auch evangelische Kirchen in Deutschland haben seit neuerer Zeit wieder Glockentürme. Der jüngste gehört zur Epiphaniaskirche in Laineck bei Bayreuth. Dort wurde, wie berichtet, am Dreikönigstag die wohl für viele Jahre letzte neugebaute evangelische Kirche in Bayern geweiht.
Ein eigentlich anachronistisches, sprich unzeitgemäßes Ereignis; denn an vielen Orten in Bayern und mehr noch etwa in den neuen Bundesländern denkt man ja ernstlich über den Verkauf oder die Umwidmung, ja sogar über den Abriss von Kirchengebäuden nach. Der Zwang, sich von solchen liebgewonnenen und traditionsreichen Gebäuden zu trennen, bereitet nicht nur den Gemeinden Kopfzerbrechen.
Im Jahr 2024 haben Professoren, Wissenschaftler, Architekten und Denkmalschützer – viele ohne jeglichen kirchlichen Bezug – sich für den Erhalt von Kirchenräumen und einen am Gemeinwesen orientierten Umgang mit den Gebäuden ausgesprochen. Offenbar wurde die Gefahr erkannt, dass Ortsbilder sich wesentlich verändern können und vor allem: dass wichtige kulturelle Orte der Besinnung und des geistigen Rückzugs nicht leichtfertig aufgegeben werden dürfen. Umso mehr freue ich mich schon auf einen Besuch in Laineck.
Von der auch erst 2013 in Buttenheim geweihten evangelischen St.-Matthäus-Kirche weiß ich, dass Christoph Gatz ein sicheres Gespür hat für spirituelle Räume, die man auch schnell zu einem praktischen Gemeindesaal erweitern kann. In Buttenheim dominiert grünspaniges Kupfer und ein Kampanile das Gesamtbild, während, das konnte man Fotos in der Zeitung entnehmen, in Laineck viel Holz verarbeitet wurde. Vor allem bewundere ich aber die Zuversicht und den Mut der Gemeinde in Laineck, wo man sich auf das Abenteuer eingelassen hat.
Und ich hoffe doch sehr, dass die 160 Sitzplätze in der Kirche nicht nur an Weihnachten und bei Konfirmationsfeiern besetzt sind. Vor allem hoffe ich aber, dass die Kirche offen ist, wenn Besucher unter Tage einfach einmal vorbeischauen wollen. Denn auch das ist ja ein Problem. Kirchen offen zu halten und das Personal dafür zu finden. Ein neues Ehrenamt zeichnet sich ab: Das des Kirchenhüters/der Kirchenhüterin.




























