Gute Absicht auf unglücklichen Wegen

16
Inge Wollschläger, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Inge Wollschläger, Mitglied der Redaktionskonferenz im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern, Hintergrundbild von Erich Kraus.

Editorial von Inge Wollschläger im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zur Möglichkeit nach Veränderung und Umkehr

Schnell ist es passiert: Ein unbedachtes Wort, eine hastige Reaktion – und schon setzt sie ein, die innere Nachbearbeitung. Warum habe ich das gesagt? Warum wieder so reagiert? 

Wir alle kennen diese Gedankenschleifen. Unser innerer Kritiker lässt dann meistens nicht lange auf sich warten. Er kennt unsere Schwächen genau, erinnert an alte Muster und findet schnell Belege dafür, dass es halt leider mal wieder nicht gereicht hat. Diese Form der Selbstkritik ist vertraut und gesellschaftlich beinahe normal geworden. Sie soll zur Verbesserung beitragen, zur Selbstoptimierung, zur Kontrolle. Doch häufig bewirkt sie das Gegenteil. Sie engt ein, statt zu klären, und hält Menschen in einer Schleife aus Vorwurf und Resignation fest.

Dabei lohnt ein genauerer Blick auf das, was unserem Handeln vorausgeht. Denn selten handeln wir aus Gleichgültigkeit oder böser Absicht. Oft stehen verständliche Motive dahinter: der Wunsch nach Ruhe, nach Nähe, nach Harmonie, nach Entlastung. Vielleicht wollten wir einen Konflikt vermeiden, oder  jemand wirklich helfen. Die Absicht war gut, der Weg dorthin unglücklich gewählt.

Diese Unterscheidung zwischen Absicht und Verhalten ist auch dem christlichen Denken vertraut. Jesus begegnet Menschen nicht mit vorschneller Verurteilung. Er sieht das Fehlverhalten – und fragt zugleich nach dem Herzen. Schuld wird nicht ausgeblendet, aber sie wird eingebettet in einen größeren Zusammenhang: in die Möglichkeit zur Umkehr, zum Lernen, zum Neuanfang. Gnade ist hier keine billige Entlastung, sondern ein Raum, in dem Entwicklung überhaupt erst möglich wird.

Das entbindet uns nicht von Verantwortung. Wer handelt, trägt Folgen. Doch Verantwortung muss nicht mit Selbstabwertung einhergehen. Sie kann auch bedeuten anzuerkennen, dass uns in einem bestimmten Moment die besseren Werkzeuge fehlten. Dass Einsicht wachsen darf, ohne dass der eigene Wert infrage gestellt wird.

Vielleicht beginnt Veränderung genau an diesem Punkt: in einem nüchternen, zugleich freundlichen Blick auf sich selbst. Nicht alles war richtig. Aber nicht alles war falsch. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegt der Raum, in dem Menschen lernen dürfen – getragen von der Hoffnung, dass Gott uns nicht auf unsere Fehler festlegt, sondern auf das, was werden kann.