Ermutigung zur konsequenten Nachfolge

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über konsequente Nachfolge

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. 

Lukas 18,57–62

Wie ist das so mit unseren Prioritäten? Was kommt bei mir zuerst? Die meisten Menschen denken zuerst an ihr Umfeld, ihre Familie, manche denken auch zuerst an sich, sicher nicht die Mehrheit, so optimistisch bin ich noch. Doch die Familie und das nächste Umfeld steht zumeist ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Ist das so falsch? Gibt es nicht Verpflichtungen, denen wir nachkommen sollten, wie hier in unserem Bibelwort der Bestattung des eigenen Vaters? 

Jesus fordert radikale Nachfolge ein. Keine Kompromisse, nichts, was wichtiger sein sollte. Nachfolge Jesu kostet etwas: es gibt dann keine Sicherheiten mehr, keine Komfortzone, in die ich mich schnell mal zurückziehen könnte.

Ist das nicht etwas zu radikal? Braucht es wirklich diesen Einsatz, um als Christ zu leben? Geht es nicht auch eine Stufe alltagstauglicher? Zugegeben, dieses Wort Jesu ist eine echte Herausforderung. Mir fallen Berichte von Menschen in Missionsgebieten ein, die tatsächlich in Situationen waren, dass sie alles auf eine Karte, auf Jesus, gesetzt haben, aber sind das nicht Ausnahmesituationen? Sind das nicht besondere Berufungen, die nicht für jedermann gedacht sind und wofür auch nicht jeder und jede geschaffen ist?

Obwohl mich dieses Bibelwort so herausfordert, ja überfordert, mag ich es. Ich weiß nicht genau warum. Vielleicht, weil es mich an meine Grenzen bringt. Ab und zu traue ich mich, einen Schritt weiter zu gehen, als man es als rational denkender Mensch sonst tut. Einen Sprung ins Ungewisse wagen. Einfach mal im Vertrauen loslegen, wenn ich spüre, Gott fordert mich an dieser Stelle heraus und möchte, dass ich etwas wage. Da, wo ich es gewagt habe, bin ich oftmals beschenkt worden und stand staunend vor dem, was ich niemals erwartet hätte.

Wir leben in Zeiten der Ungewissheit. Vieles, was früher klar schien, ist heute nicht mehr gewiss. Es ist in solchen Zeiten nicht leicht, mutig in die Zukunft zu schauen. Manche spielen lieber auf Sicherheit. Blos nichts falsch machen! Man zieht sich lieber auf sicheres Terrain zurück. Das eigene Umfeld, die eigene Familie, die eigene kleine Welt steht dann im Mittelpunkt.

Doch Jesu Ruf in die Nachfolge ist genau das Gegenteil. Nachfolge bedeutet keinen Rückzug, sondern mutige Schritte nach vorn gehen. Dies kann ich nur im Vertrauen auf den, der Vorausgegangen ist und mich auf dem Weg nicht allein lässt.

Dekan Christian Aschoff, Gunzenhausen