
Editorial von Inge Wollschläger im Evangelischen Sonntagsblatt über die Beharrlichkeit des „Trotzdem“ entgegen aller Widrigkeiten
„Das lohnt sich doch nicht mehr.“ Oder: „Das bringt doch eh nichts.“
Sätze wie diese begegnen uns täglich. Sie stehen wie kleine Stoppschilder am Rand unseres Lebens. Und oft genug beugen wir uns ihnen, seufzen innerlich und lassen es bleiben. Vernünftig, realistisch, angepasst. Und doch gibt es diese andere Stimme, leise, manchmal trotzig, manchmal mutig, die sagt: Ich tue es trotzdem:
Ich schreibe jetzt trotzdem die Karte, obwohl ich nicht weiß, ob sie gelesen wird. Ich bete trotzdem, obwohl Gott gerade ziemlich still erscheint.
Ich engagiere mich trotzdem, obwohl die Zahlen sinken und die Stimmung mau ist.
„Trotzdem“ ist kein lautes Wort. Es trägt keine Siegerpose. Es ist eher das Wort der Beharrlichen, der Hoffenden, derer, die sich nicht vom ersten Gegenwind umwerfen lassen.
Im Alltag begegnet uns dieses Trotzdem häufiger, als wir denken. Die Mutter, die morgens zum dritten Mal „Guten Morgen“ sagt, obwohl nur ein Grunzen zurückkommt. Die Mesnerin, die jeden Sonntag treu den Kirchenschlüssel dreht, auch wenn die Bankreihen lichter werden. Der Ehrenamtliche, der den Kuchen backt, obwohl er weiß, dass wieder jemand sagen wird: „Ach, ich esse heute nichts Süßes.“ Sie tun es trotzdem. Und die Welt wird dadurch ein kleines bisschen wärmer.
Auch die Bibel ist voll von Trotzdem-Geschichten. Mose sagt trotzdem „Ja“, obwohl er sich für ungeeignet hält. Jeremia predigt trotzdem, obwohl ihn kaum jemand hören will. Und Petrus steigt trotzdem aus dem Boot, obwohl alles in ihm schreit: Das ist keine gute Idee.
Natürlich ist „trotzdem“ kein Freifahrtschein für blinden Aktionismus. Es ist kein „Augen zu und durch“. Es ist vielmehr ein bewusstes Handeln gegen die Resignation. Ein kleines Aufstehen gegen das große Schulterzucken.
Manchmal braucht es dafür Humor. Wer über sich selbst lachen kann, nimmt dem Scheitern die Macht. Ich gehe trotzdem zum Chor – auch wenn ich den Einsatz verpasse. Ich halte trotzdem die Andacht – auch wenn mir das perfekte Wort fehlt. Gott hat schließlich Erfahrung mit unperfekten Menschen. Er arbeitet seit Jahrtausenden erfolgreich mit ihnen.
„Ich tue es trotzdem“ ist am Ende ein Glaubenssatz. Einer, der sagt: Ich rechne mit Gott – auch da, wo ich ihn gerade nicht vermute.




























