Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über die Grenzüberschreitung des Petrus
Da stieg Petrus hinab zu den Männern und sprach: Siehe, ich bin‘s, den ihr sucht; warum seid ihr hier? Sie aber sprachen: Der Hauptmann Kornelius, ein frommer und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte holen lassen in sein Haus und hören, was du zu sagen hast. […] Und als Petrus hineinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an. Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch. Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren. Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll. Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen. Und Kornelius sprach: […] Und siehe, da stand ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. So […] lass herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus […]. Da sandte ich sogleich zu dir. […] Da tat Petrus seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.
Aus Apg. 10,21–35
Da tat Petrus seinen Mund auf“ – einer der revolutionärsten Sätze der jungen Kirche. Petrus erkennt überrascht, was es wirklich heißt, dass Gott nicht „auf die Person sieht“. Erst jetzt, nach Jahren mit Jesus, begreift er die Tiefe dieser Wahrheit. Das zugrunde liegende griechische Wort kommt im Neuen Testament nur hier vor: Gott ist kein Parteigänger, der Menschen nach Herkunft, Hautfarbe oder Religion sortiert. Für Petrus war das ein Bruch mit lebenslangen Grenzen zwischen rein und unrein. Nun steht er im Haus eines römischen Offiziers, umgeben von Menschen, mit denen er sonst keinen Umgang gehabt hätte – und sieht weiter.
Eigentlich wird hier nicht der fromme Kornelius bekehrt. Bekehrt wird Petrus. Nicht die Kirche treibt die Begegnung voran, sondern Gott selbst: Visionen, Engel und Geist führen beide zusammen. Der unscheinbare Satz „Er lud sie als Gäste ein“ hat Sprengkraft – Juden und Nichtjuden teilen Tischgemeinschaft.
Wo ziehen wir heute Zäune, die Gott längst überschritten hat? Wo erklären wir Menschen für fremd, die Gott annimmt? Petrus lernt: Gottes Liebe ist größer als unsere Ordnungssysteme. Gottes Geist weht, auch durch menschliche Zäune.
Die Geschichte endet mit Staunen, nicht mit Urteil. Noch bevor Petrus seine Predigt beendet, fällt der Heilige Geist auf alle. Als wollte Gott sagen: Ich bin längst unter euch.
Nicola Madeleine Aller, Öffentlichkeitsreferentin und stellvertretende Dekanin in Hof
Gebet: Gott, du Grenzsprenger, öffne uns wie Petrus die Augen und den Mund, damit wir in Wahrheit begreifen: Du siehst ins Herz. Lehre uns, deine Weite zu wagen. Amen.
Lied 411: „Gott liebt diese Welt“





























