Musik darf nicht fehlen – zum Lob Gottes

32
Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zur Bedeutung der Musik für erhebende Momente

Da fehlt doch etwas! Rose und Jack stehen ganz vorne am Bug der „Titanic“, der Wind reißt an ihren Kleidern, sie breitet die Arme aus und ruft: „Ich fliege!“ – aber im Hintergrund ist nur Stille. Da fehlt doch etwas! Es ist einfach nicht das gleiche ohne die ikonische Filmmusik. 

Da fehlt doch etwas! Das dachte sich auch der Verfasser unseres heutigen Textes aus dem 2. Buch der Chronik im 5. Kapitel. Er erzählt die große Geschichte der Einweihung des ersten Tempels in Jerusalem durch den König Salomo. Es ist eine Neuerzählung. Denn die Geschichte findet sich auch im älteren 1. Buch der Könige im 8. Kapitel. Und vieles übernimmt der Neuerzähler einfach aus seiner Vorlage: Die riesige Menschenmenge, der feierliche Zug der Bundeslade in den Tempel, die ungezählten Opfertiere als Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber Gott und zugleich als überreiches Festmahl. 

Doch vor dem großen Höhepunkt – Gottes Herrlichkeit, die sichtbar wird im Tempel durch eine Wolke – dachte der Neuerzähler der Chronik: Da fehlt doch etwas! Diese große Tempeleinweihung kann doch nicht ohne Musik gefeiert worden sein! Aus den Erfahrungen seiner Zeit heraus würde da etwas fehlen. Er hat große Feste am Tempel vor Augen, bei denen er selbst mitgefeiert und mitgesungen hat. 

Deshalb ist er sicher: Bei diesem riesigen Einweihungsfest, da müssen die Menschen einfach gesungen und musiziert haben. Und die musikalische Gestaltung dieses antiken Großevents muss genauso fantastisch gewesen sein, wie alles andere daran.

Deshalb ergänzt er: Und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: „Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig“, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke als das Haus des Herrn, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.

2. Chr 5,12–14

Alle Sänger des Reichs und dazu 120 Priester mit Trompeten singen und spielen zusammen. Wie durch ein Wunder wird die Vielstimmigkeit des Lebens im Lob Gottes zu einer einzigen Stimme. Und in dem Moment erst wird der neue Tempel zu Gottes Haus. Da fehlt nichts.

Das weckt in mir Erinnerungen an einen großen Gottesdienst im Fußballstadion beim Kirchentag. Der Kirchentagsposaunenchor spielt und tausende Menschen singen gemeinsam: „Großer Gott, wir loben dich“. Da fehlt nichts. Ich denke also, der Neuerzähler der Tempeleinweihung hat recht. Musik darf nicht fehlen. Musik gehört zum Gottesdienst, damals wie heute. Musik gehört zum Menschsein. 

Bernhard Bammessel, Pfarrer in Bayreuth

Gebet: Lebendiger Gott, du schenkst uns die Musik, eine wunderbare Seite unseres Lebens und dieser Welt.

Wir danken dir dafür, dass sie in uns Trauer und Freude, Zorn und Liebe zum Klingen bringen kann. Wir bitten dich: wo immer wir dich loben mit alten und neuen Liedern, da sei du ganz nah mit deiner Herrlichkeit. Großer Gott, wir loben dich, denn du bist gütig und deine Barmherzigkeit wärt ewig. Amen.

Lied 331: Großer Gott, wir loben dich