Waldbesitz der Kirchen – Chance zur Bewahrung der Schöpfung

40
Raimund Kirch, Mitglied im Herausgeberbeirat des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern. Hintergrundbild: Kraus
Raimund Kirch, Mitglied im Herausgeberbeirat des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern. Hintergrundbild: Kraus

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zum „Tag des Baumes“

Am 25. April 1952 wurde der „Tag des Baumes“ eingeführt. Der damalige Bundespräsident Theodor Heuß pflanzte publikumswirksam einen Ahornbaum im Bonner Hofgarten, um die Bevölkerung für die Bedeutung des Waldes zu sensibilisieren. Warum davon hier die Rede ist? 

Weil mir jüngst bei einem Besuch der Gertraudenkirche in Frankfurt/Oder ein Artikel im ausliegenden Kirchenboten über die dortige kirchliche Waldgemeinschaft aufgefallen ist. Ihre verstreuten 61 Hektar Wald will die Gemeinde künftig nach schöpfungsbewahrenden Grundsätzen „be­förstern“ lassen, so der fachliche Begriff. Ich wurde hellhörig und recherchierte; inzwischen weiß ich, dass die beiden großen Kirchen bundesweit über einen Waldbesitz von sage und schreibe 150.000 Hektar Wald verfügen. 

Da sind natürlich viele kleine Parzellen wie in Frankfurt/Oder, immerhin verteilt auf 6.500 Rechtsträger; doch gibt es durchaus auch Großgrundbesitzer, wie etwa die Erzdiözese München/Freising, die ein eigenes Forstamt betreibt. 

Ich fand die Schwerpunktsetzung der Frankfurter Gemeinde auf schöpfungsbewahrende Grund­ätze jedenfalls folgerichtig. Zumal der messbare Nutzen der Baumpflege gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Meinte doch jüngst erst der Chefvolkswirt der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, Andreas Bley, dass aus jedem Euro, der für Pflege und Aufforstung von Bäumen eingesetzt wird, zwölf Euro weitere eruiert werden. Der Banker rechnet die Vorteile für Klimaschutz, Luftfilterleistung, Gewässerschutz und für ein von der Gesellschaft gewolltes harmonisches Landschaftsbild hoch. Die Filterwirkung der Wälder für sauberes Trinkwasser sei überdies ein wirtschaftliches Plus. 

Im Schnitt leiste nämlich jeder Hektar wieder aufgeforsteter Misch­wald eine Ökosystembilanz von rund 10.500 Euro. Der Nutzen übersteigt die Kosten jedenfalls um ein Vielfaches. Auch das verdient es einmal erwähnt zu werden. 

Der Baum des Jahres ist übrigens die Zitterpappel. Ökologisch betrachtet leistet sie als widerstandsfähige und zähe Pionierbaumart einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Biodiversivität. Das heißt, die Kirche könnte sich in Zeiten der Transformation ein Stück weit etwas von der Zitterpappel abschauen, nämlich die Fähigkeit, sich in einem wandelnden Umfeld zu bewähren.