Wie die Kraft des Heiligen Geistes verändert

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zu Pfingsten

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. 

Apg 2,1–4

Eigentlich hatten sie es ganz gut. Zehn Tage nach Jesu Himmelfahrt waren seine Jünger alle zusammen in einem Haus in Jerusalem und warteten. Jesus hatte ihnen versprochen, er würde ihnen den Tröster, den Heiligen Geist, schicken. Sie beteten und kamen gut miteinander aus, es gab keinen Streit. 

Ich frage mich, was passiert wäre, wenn der Heilige Geist damals in Jerusalem ganz leise in die Welt gekommen wäre. Gäbe es unsere Kirchen und Gemeinden heute überhaupt? Vielleicht wäre dann die Botschaft von der Auferstehung Jesu in Jerusalem bei einer kleinen Gruppe von Galiläern geblieben. 

Zum Glück aber kam der Heilige Geist mit Brausen und Feuerzungen und brachte die Jünger zum Sprechen. All die verschiedenen Menschen, die in Jerusalem zusammengekommen waren, konnten sie verstehen. So nahm die Botschaft von der Liebe Gottes und der Auferstehung Jesu ihren Lauf. Die Jünger redeten, was der Geist ihnen eingab. Viele ließen sich taufen. Die erste Gemeinde entstand. Die frohe Botschaft breitet sich aus über Raum und Zeit bis zu uns. Gott sei Dank!

Heute brauchen wir die Kraft des Heiligen Geist genauso wie die Leute damals. Viele Menschen in unseren Gemeinden machen sich Sorgen, wie es weitergeht. Sie fragen sich, wie ihre Kirche aussehen wird, wenn es in Zukunft immer weniger Mitglieder, Personal, Geld und Gebäude gibt. Wird die Kirche im Dorf und in der Stadt bleiben? Es muss sich etwas ändern, aber noch weiß niemand genau, wie das Neue werden wird. In dieser Hinsicht geht es uns ganz ähnlich wie den Jüngern damals in ihrer Zuflucht in Jerusalem. 

Als der Heilige Geist dann über Jesu Jünger kam, konnten sie nicht drin bleiben. Sie mussten hinaus und erklären, was da geschieht. Begeistert haben sie von Jesus erzählt und die Menschen aus aller Herren Ländern verstanden sie und glaubten ihnen. Die erste christliche Gemeinde entstand auf der Straße. An ihrem Geburtstag hatte die Kirche Jesu Christi kein Haus. 

Inmitten aller Veränderungen heute ist es gut, sich daran zu erinnern. Die Zeit, um es sich hinter den Kirchenmauern gemütlich zu machen, ist vorbei. Der Heilige Geist lockt nach draußen auf die Straßen und Plätze unserer Städte und Dörfer. Er drängt zum Reden in einer Sprache, die alle verstehen. Er macht Menschen, die einander fremd sind, zu einer Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern. Gott sei Dank! 

Sonja Scherle-Schobel, Dekanin in Pappenheim

Lied 564: Komm, Heilger Geist