Hoffnung braucht Aufbrüche und Engagement

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Chefredakteurin Susanne Borée, Hintergrundbild von Erich Kraus

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Chefredakteurin Susanne Borée

Schön wäre es …!“ Wie würden Sie diesen Satz ergänzen, wenn Ihre Wünsche einmal freien Lauf hätten? Frieden, Gesundheit, ein Auskommen für alle? Oder erst einmal: Es möge endlich aufhören, sich ständig etwas zu verändern.

Das wäre doch was: Die Kirche bleibt im Dorf, die vertrauten Menschen stehen weiterhin an unserer Seite, und am Marktplatz schließt kein weiteres Geschäft. Wer Verluste erlebt, braucht keine Belehrung über die Chancen des Wandels. Er braucht Halt. 

Nur: Taugt das „Weiter so“ deshalb schon als Zukunftsvision? Eine kleine, aber feine Ausstellung, die gerade im Nürnberger Fembo-Haus zuende ging, lud dazu ein, weiterzudenken. Sie erzählt von Menschen, die sich mit dem Besteh­enden nicht abfanden. Frauen etwa, die vor gut hundert Jahren von Gleichberechtigung träumten – damals eine Zumutung!

Sogar die gemeinschaftliche Entwicklung freier Software wie Linux gehört in diesen Zusammenhang. Denn diese Alternative zum Windows- oder Apple-Betriebssystem entstand ebenfalls in Nürnberg: Wissen teilen, Menschen mehr Selbstbestimmung ermöglichen: Inzwischen aber auch schon kommerzialisiert und nur noch in einer ungesicherten Variante offen. Doch habe auch ich mir den Umstieg bisher nicht zugetraut. Wer weiß, wie viel Mühe das Neue verlangt?

Plötzlich sitzt die Bequemlichkeit mit am Schreibtisch. Ich wünsche mir Aufbrüche, überlasse den ersten Schritt aber gern anderen. Geht es uns in großen Fragen manchmal ähnlich?

Halt! Welche bessere Welt meinen wir überhaupt. Ein Schlaraffenland, in dem uns alles zufliegt? Gerechtigkeit oder Freiheit? Wohlstand für alle? Oder freie Bahn für die Tüchtigsten? Nicht jeder Traum erscheint für alle segensreich. Wer gehört dazu, wer bleibt draußen?

Auch die christliche Hoffnung muss sich dieser Frage stellen. Die Bibel spricht von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Das ist mehr als ewiges Tirilieren über den Wolken. Es ist die Aussicht darauf, das Recht des Stärkeren oder lähmende Resignation zu überwinden.

Es kann unseren Blick verändern: Indem wir das Leiden neben uns neu wahrnehmen. Für Menschen, die bloß überleben wollen. Gegen das lähmende „es nutzt ja eh nichts“ oder gegen Verbitterung, die erlernte Hilflosigkeit kaschiert. 

Schön wäre es, wenn alles bliebe wie bisher? Schöner wären Aufbrüche, die neuen Raum zum Leben eröffnen könnten.