Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Chefredakteurin Susanne Borée
Von „B“ wie „Bienenstöcke aufstellen“ bis „Y“ wie Yoga-Matten ausrollen reicht das Alphabet der Ideen. Das Kartenspiel „Kirche Frei“ der Stiftung KiBa zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler schlägt darin kreative, bisweilen provozierende Ideen für Gotteshäuser vor, die immer seltener genutzt werden. Viele Kirchen haben schließlich genug Platz zum Tanzen und für Sport. Oder sie können als Kinosaal und Begegnungsort dienen.
Die Ideen sind sicherlich originell: Aber möchte ich wirklich zur nächsten Sitzung meines Kirchenvorstandes mit diesem Kartenspiel in der Hand aufkreuzen? Schließlich sind Gotteshäuser nicht nur Gebäude – sie sind aufgeladen mit Geschichte, Glauben und Identität. Und doch werden sie allzu oft nur wenige Stunden pro Woche genutzt. Hier liegt die Herausforderung: zwischen Bewahrung und Aufbruch neue Wege zu finden.
Diese Spannung begleitet die Kirche seit Jahrhunderten. Schon die Reformation gestaltete Kirchenräume grundlegend um. Zugleich bewahren manche Gotteshäuser bis heute eine besondere Ausstrahlung – etwa die Kathedrale in Brüssel, die nun ihr 800-jähriges Bestehen feiert. Andere Kirchen wiederum wurden neu hergerichtet. Viel Spaß bei der Entdeckungsreise durch dieses Sonntagsblatt!
Die Frage bleibt allerdings, wie Veränderung gelingen kann, ohne den eigenen Kern zu verlieren. Gerade die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten erzählt davon, wie schwer Orientierung fällt, wenn Vertrautes ins Wanken gerät. Starren wir noch immer wie einst die Jünger in den Himmel, in den Jesus verschwand? Oder können wir uns der Welt zuwenden und auf das Kommen des Heiligen Geistes vertrauen?
Neben dem Mut zur Veränderung heißt es Selbstprüfung zu wagen (Seite 7). Wer sich seinen Zweifeln und Schwächen stellt, bleibt offen für neue Perspektiven.
Auch beim Ringen um neue Kirchenkonzepte gibt es beides: Menschen mit den besten Absichten können sich heillos zerstreiten. Oder gerade so erfahren, dass sie gemeinsam unterwegs sind.
Wir müssen nicht jede Idee übernehmen, aber auch nicht aus Angst vor Veränderung stehen bleiben. Kreativität und Vertrauen gehören beide zum Geist Gottes. Vielleicht ist das Kartenspiel gerade deshalb mehr als ein Spiel: Es lädt dazu ein, Möglichkeiten zu entdecken, ohne sofort Sieger und Verlierer zu küren. Vielleicht braucht die Kirche heute mehr Mut, neue Karten aufzudecken.



























