Hochzeitsschwindel anstatt neuer Bund

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zum Nachdenken über den neuen Bund

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Jeremia 31,31–33

Es war eine wunderbare Hochzeitsfeier. Ein strahlendes Brautpaar, fröhliche Gäste, erlesene Speisen und Getränke, wertvolle Geschenke und ausgelassenes Feiern machten ein herrliches Fest. Eine unvergessliche Hochzeitsreise schloss sich an. Doch auf der Rückfahrt wird die junge Frau plötzlich sehr ernst und erklärt ihrem Mann: „Ich danke dir für alles, für deine Liebe, dafür, dass ich zu dir gehören und mit dir verbunden sein kann. Aber nun möchte ich doch lieber in meine bisherige Wohnung, in mein früheres Leben, zu meinen alten Freunden zurückkehren. Ich bin ja so froh, dass ich einen so guten Mann habe. Aber ich möchte meinen Lebensalltag doch gern allein bestimmen. Wenn ich später sterbe, dann möchte ich natürlich ganz in dein Haus kommen. Aber ich hoffe, dass das noch sehr, sehr lange dauert!“

Mit dem jungen Ehemann empfindet wohl jeder, der das hört: So geht es nicht. Das ist doch keine Ehe! Wenn sich jemand so verhält, dann ist ja überhaupt keine Beziehung vorhanden. Es fehlt die innige Gemeinschaft, das glückliche Miteinander, die Sehnsucht der Zweisamkeit, die Liebe, die einen ganz verrückt nacheinander sein lässt.

Doch genauso wie diese Braut leben viele Menschen ihren Glauben, ihre Beziehung zu Gott, die im Grunde genommen gar keine ist. Sie haben einen wunderbaren Herrn, einen Bräutigam voller Liebe und Zuneigung. Aber ihr Alltagsleben bestimmen sie allein. Ja, freilich, bei der letzten Station nach dieser Welt und dieser Zeit, in der Ewigkeit, da will man dann schon einmal bei Gott ankommen. Aber hier in diesem Leben reicht eine flüchtige Bekanntschaft.

Gottes Volk hat sich diesen Hochzeitsschwindel in Bezug auf seinen Herrn geleistet und trotzdem will Gott wieder neu mit seiner geliebten Braut anfangen und einen neuen Bund schließen, er will es wieder neu versuchen und die Beziehung auf eine solide Basis stellen, den Ehebund des Glaubens mit Leben und Tiefgang füllen. Immer wieder bietet Gott sich als Bündnispartner für sein Volk an. 

Zuletzt hat er es in nicht mehr steigerungsfähiger Weise durch seinen Sohn Jesus Christus getan. Doch dieser letzte und alles überragende Bund geht nun wirklich auf Leben und Tod. Stark wie der Tod ist die Liebe Gottes, die er am Kreuz unter Beweis stellt. Der grundlegende Neustart der Beziehung zielt auf eine Liebesbeziehung aus ganzem und vollem Herzen. Nach vielen gescheiterten Beziehungsversuchen soll es nun eine echte Hochzeit werden. Wie wird die Braut sich jetzt entscheiden?

Dr. Thomas Hohenberger,

Pfarrer im Frankenwald für Döbra & Lippertsgrün sowie für den 3. Pfarrsprengel Naila