
Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Raimund Kirch
Wir befinden uns mitten im Herbst der Reformen. Und wenn Sie jetzt müde abwinken oder genervt fragen: „Ach Reformen – Wo? Wie? Wann?“, dann ist das durchaus zu verstehen. Wir sprechen hier von der Politik. In der evangelischen Kirche dagegen wurde in den letzten Jahren – beginnend mit dem Projekt Profil und Konzentration (PUK) – durchaus ein Reformprozess angestoßen, der seinen Namen verdient.
Kirchenmitglieder und Gemeinden haben akzeptiert, dass es ein „Weiter so“ angesichts schrumpfender Zahlen und Einnahmen nicht geben kann. Damit ist ausgeblieben, was sich stimmungsmäßig zurzeit im politischen Bereich abspielt. Anscheinend gelang es den etablierten Parteien nicht, dieses wabernd-gärende Gemisch von Verlustängsten, Unzufriedenheit, Verächtlichmachung und Pessimismus in Griff zu bekommen; ein Gemisch, das Parteien an den Rändern stark gemacht hat und bereits zu ersten Verwerfungen in Länderparlamenten geführt hat.
Wenn die evangelische Kirche nun das Reformationsfest begeht, schwingt immer auch im Hintergrund, manchmal ironisch, manchmal ernst gemeint, die Stimmung in diesem Herbst der Reformen mit. Obwohl Reformation durchaus eine andere Qualität besitzt.
Da geht es ein Stück weit auch um Umkehr, was jüngst der Leiter des Neuendettelsauer Pastoralinstituts, Frank Zelnsky, im Korrespondenzblatt des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins, herausgearbeitet hat. Zelinsky meint, dass es bei den notwendigen Umbrüchen in unseren Kirchen um mehr geht als die Klärung von Strukturen und ökonomischen Herausforderungen, sondern der Wandel auch mit neuen Impulsen im Glauben einhergehen muss.
Ich sehe das so, dass sich die Vitalität der Kirchen auch an ihrer Bereitschaft zur Umkehr messen lassen muss. Natürlich bereitet es Schmerzen, wenn Gebäude, ja sogar Gotteshäuser aufgegeben werden müssen, die mit viel Mühen und Einsatz einst gebaut wurden; wenn sie allerdings ihren Zweck heute nicht mehr erfüllen, müssen andere Schwerpunkte gesetzt werden.
Für Zelinsky kann das Zusammenlegen der Gemeinden, kann die Bildung von berufsübergreifenden Teams, kann die Einbeziehung von Laien und Ehrenamtlichen nur gelingen, wenn damit ein Mentalitätswandel einhergeht. Die Politik sollte und könnte sich daran durchaus ein Beispiel nehmen.




























