Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zur Osterbotschaft
Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: Als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.
Aus 1. Kor 15,19–28
Ostern bedeutet für mich: Spaziergang am Steinsee bei München. Die Wasserwacht versteckt dort zwischen den Erstlingen der Primeln bemalte Eier und unter den Schneeglöckchen Schokoladen-Hasen. Alles um den See wird davon lebendig. Ach, denke ich, wenn das hier so schön ist, was will wohl nach dieser Welt erst für ein Osterfest sein? Alles wird gut.
Ein wenig sentimental und kitschig würde ich mich nennen. Ich brauch das. Denn sonst würde mir Elend. „Ich wär gerne voller Zuversicht. Jemand, der voll Hoffnung in die Zukunft blickt. Der es schafft, all das zu ertragen. Ich würd dir gern sagen: Alles wird gut.“ Was Felix Kummer und Nina Chuba singen, das schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth. Nur auf seine Art. Ich übersetze seine Worte von Vernichtung und Unterwerfung für mich so: Der Tod verliert seine Gewalt über das Leben. Es hat an Ostern mit Christus angefangen. Paulus beschreibt eine Ordnung, in der alles gut wird. Die Vorzeichen kann ich erkennen, bei jedem Osterspaziergang um den Steinsee.
Ich könnte mich für naiv halten, an so etwas zu glauben. Einen kosmischen Kampf beschreibt Paulus, von Herrschaft und Feinden, die Gott unter die Füße gelegt werden. Solche Worte taugen für Parolen, mit denen sich die eigene Sache religiös überhöhen lässt. Sie funktionieren über Feindbilder, Erlösungsversprechen, religiöse Aufladung von Macht. Wie gut, dass Paulus sagt, dass es nicht um dieses Leben geht und wirklich alles in allem gemeint ist. Wenn wir auf Gottes Weltherrschaft nur in diesem Leben hoffen würden – das wäre elend, denn alle Macht, Gewalt und Tod enden. Und seit Christus auferweckt wurde, ist die Ordnung bestimmt. Alles wird gut.
Es fühlt sich nach dieser Ordnung an, jedes Jahr beim Osterspaziergang am Steinsee. Ich suche Freud‘ und Schokolade unter den Schneeglöckchen. Diese Dinge haben Sinn, seit Ostern. Für die Wasserwacht, die Familien – und mich. Für alle. Alles wird gut.
Philipp Bäumer, Dekanatsjugendpfarrer in München
Gebet: Gott, vollende was mit der Auferstehung von Jesus dem Christus begonnen hat: Deine Ordnung, durch die der Tod die Macht verliert, in der Du alles in allem bist. Amen.
Lied EG 99: Christ ist erstanden





























