Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zum Auferstandenen als neu Kraftquelle
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: „Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber?“ Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. […] aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
Jesaja 40,26–31
Es macht mich müde, wöchentlich vom Krieg in der Ukraine, im Iran, weltweit zu hören. Es macht mich müde, dass rechtsextreme Parteien Zuspruch finden. Es macht mich müde, immer wieder dafür zu kämpfen, als Frau Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Es macht mich müde zu hören, dass Geflüchtete vorverurteilt werden und ihnen die Integration erschwert wird.
Müde war auch das Volk Gottes. Matt und voller Zweifel nach der Zerstörung Jerusalems und der Verschleppung ins Exil in Babylon. Ist Gott noch bei ihnen? Hält Gott, was er versprochen hat? „Hebt eure Augen in die Höhe und seht!“ Das ist kein verharmlosendes „Kopf hoch, das wird schon!“ Manchmal hilft es, von den alltäglichen Sorgen aufzublicken. Jesaja lenkt den Blick auf die Sterne. „Weißt du wieviel Sternlein stehen?“ heißt es in dem Lied von Pfarrer Wilhelm Hey. Meist als Kinderlied gesungen, formuliert es die Fragen wie in Jesaja 40,26: Gott hat all dies geschaffen, alle Gestirne, hat sie gezählet und sie „alle mit Namen“ gerufen. Der Blick in den Sternenhimmel lässt staunend innehalten. Lässt manch alltägliche Probleme plötzlich ganz klein werden. Gott hat alles geschaffen und er wird nicht müde.
Gott ist unausforschlich, heißt es. Was bleibt eine Woche nach Ostern? Die Auferstehung lässt sich nicht verstehen, nur glauben. Und feiern. Aktuell dringender denn je. Dieses „Trotzdem“, der biblischen Texte. Trotz der Müdigkeit: „die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.“
„Harren“: Dieses alte Wort bedeutet nicht ein passives Warten oder alles Negative auf sich einprasseln lassen. Es heißt hoffen und beten. Auch wenn ich vielleicht gerade nichts von Gottes Gegenwart sehen kann, sollen wir nicht aufhören auf ihn zu vertrauen und so zu leben: Im Schutz der Schöpfung und in Achtsamkeit auf meine Nächsten. Harren, das ist Durchhalten, auch wenn mich gerade alles müde macht.
Denn „die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“ Wie ein Adler sich gleiten lässt, ein beeindruckendes Schauspiel, so frei, so stark. Ein wunderbares Bild, auf Gott zu vertrauen und in diesem Vertrauen zu gleiten, wie ein Adler, sich getragen wissen, von Gott.
Julia Popp, Pfarrerin in Lichtenreuth/Nürnberg
Gebet: Gott, durch die Auferstehung Jesu Christi schenkst du uns neues Leben. Wir loben dich und danken dir: Du gibst Hoffnung in der Furcht, Freude in der Trauer, Kraft in der Müdigkeit und Vertrauen in der Sorge. (nach Pfälz. Agende)


























