Wegweiser zum wahren Licht

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Chefredakteurin Susanne Borée, Hintergrundbild von Erich Kraus

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zum Johannistag von Chefredakteurin Susanne Borée

„Ich muss weniger wichtig werden“: Wann haben Sie einen solchen Satz zuletzt gehört? Die Botschaften unserer Zeit klingen anders. Sie werben für Sichtbarkeit, Einfluss und Selbstverwirklichung. Johannes der Täufer setzte dagegen: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Joh 3,30). Nun, an den hellsten Abenden des Jahres, steht sein Gedenktag – Johannis – an. 

Dieser Satz provozierte nicht nur zu seiner Zeit: Jemand, der seine Wirkung selbst in den Schatten stellt erscheint schnell als eine Person, der es an Selbstbewusstsein mangelt. 

Wer sichtbar bleiben will, muss immer glanzvoller im Mittelpunkt stehen. Und vor allem an der eigenen Marke weiter arbeiten. Der Täufer hatte bereits Profil gewonnen – als etwas verwahrloster, aber asketischer Rufer in der Wüste.

Noch ein Selbstdarsteller mehr, der zur Umkehr rief und ruft? Schließlich ist an unzähligen Informationen und Meinungen gerade aktuell kein Mangel. Dabei wächst nur die Sehnsucht nach Orientierung. 

Nein! In diesen bescheidenen Worten des Täufers erstrahlt eine der mutigsten Haltungen, die ein Mensch einnehmen kann: Er verstand sich als Wegweiser, nicht als Zielpunkt. Darin liegt eine tiefe innere Freiheit, gerade auch wenn dem Täufer bald schon die Gefangennahme droht. 

Seine Botschaft spiegelt sich sogar im Lauf der Natur wider. Ausgerechnet jetzt am Johannistag, da das Licht seinen Höhepunkt erreicht und die langen Sommerabende Menschen nach draußen locken, hat die Wende bereits begonnen: Das Licht nimmt ab, die Tage werden kürzer – zunächst unmerklich, aber unaufhaltsam. 

Dieser Lauf des Jahres erinnert daran, dass selbst das hellste Licht des Jahres seine Grenze hat. Das ist keineswegs traurig: Es ist eine Einladung zur Gelassenheit. Wachsen ist kein Selbstzweck. Nicht jeder Höhepunkt muss gehalten werden. Auch Zeiten des Rückgangs bereichern das Leben. 

Wir können lernen, den Blick von unseren Profilen und Rollen zu lösen – und uns neu auszurichten. Johannes zeigte, dass der christliche Glaube uns da einen Fixpunkt bietet – wie der Polarstern. 

Ein halbes Jahr vor dem Heiland soll der Täufer nach der biblischen Überlieferung das Licht der Welt erblickt haben. Genau sechs Monate sind es vom Johannistag bis zum Heiligabend. Dann, inmitten der tiefsten Dunkelheit, erstrahlt das Licht, das bleibt.