Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern denkt darüber nach, wie sich neue Perspektiven eröffnen
Ein grauer Morgen. Ein Junge beobachtet die Ampel. Er verfolgte den Wechsel von Rot auf Grün, wieder auf Rot und wieder Grün. Er will nicht zur Schule. Die Matheprobe liegt ihm im Magen. Er will sie nicht herausbekommen. Bestimmt hat er wieder eine Fünf oder sogar eine Sechs. Von hinten kommt eine Mitschülerin. Sie haben zusammen gelernt und sie ist sich sicher, dass es diesmal bestimmt eine Vier wird. Die Fröhlichkeit des Mädchens holt ihn aus seiner Starre. Als die Ampel wieder auf grün springt, überqueren sie gemeinsam die Straße. Eine halbe Stunde später hält der Junge ein Blatt in der Hand, auf dem eine Drei prangt. Ein Wunder ist geschehen. Das Lernen hat sich gelohnt.
Manchmal braucht es Wunder im Leben. Sie eröffnen eine neue Perspektive, verändern den Blick und bewegen einen. Simon Petrus hat das auch erlebt:
Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. … Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
Aus Lukas 5,1–11
Zwei Jahrtausende liegen dazwischen und das Staunen über die Wunder verbindet Simon und den Jungen. Unerwartetes ist möglich. Ein großer Fischfang mitten am Tag, eine überraschend gute Note. Und doch sind das „nur“ äußere Zeichen des Wunders. Das Wunder selbst geschieht anderswo. Beide haben sich verändern lassen. Die Worte Jesu, die Motivation durch die Mitschülerin haben Vertrauen wachsen lassen, etwas anzugehen, was sinnlos schien. Vertrauen, das Gott in uns weckt, eröffnet neue Perspektiven. Simon fasst es in treffende Worte: „Ich bin ein sündiger Mensch.“
Das ist ein kraftvolles und befreiendes Wort. Ein Mensch, der das ausspricht, erkennt die eigenen Grenzen an und steht zu ihnen. Damit verbunden ist Freiheit, die es ermöglicht, das eigene Leben zu gestalten. Gott traut einem jeden und einer jeden genau das zu.
Uta Lehner, Dekanin An Sulzach und Wörnitz
Gebet: Fürsorglicher Gott, du schenkst uns Vertrauen. Schenke uns die Kraft aus diesem Vertrauen zu leben und lass es für uns zur Quelle werden, deine Liebe zu bezeugen. Amen.
Lied 634: Lass uns in deinem Namen




























