Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zur Feindesliebe
Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“ Vielmehr, wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. […] Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Römer 12,17–21
Ich bin großer Fan von To-Do-Listen. Alles Mögliche steht da drauf, was mehr oder minder zeitnah zu tun ist. Was und wen würde ich nicht alles vergessen, wenn ich mir keine Listen schreiben würde.
Vergessen sollen auch die römischen Christen nicht, was ihnen Paulus in einer langen und sehr grundsätzlichen To-Do-Liste für das Leben in der Gemeinde alles aufträgt, deren Abschluss wir hier als Bibeltext haben. Und ganz am Ende: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Für Paulus ist das eine Art Grundregel, die für all das gilt, was er aufgelistet hat.
„Überwinde das Böse mit Gutem“. Soll ich also derjenigen, die mir übel mitspielt, auch noch Gutes tun? „Wie du mir so ich dir.“ Das ist doch die Regel, nach der unsere Welt funktioniert. Vom Kindergarten über das Berufsleben bis mitten ins Weiße Haus.
Paulus schreibt einige Zeilen vorher: „Macht euch nicht dieser Welt gleich!“ Ihr sollt euch nicht überwinden lassen von der Schlechtigkeit der Welt. Ihr sollt euch nicht lähmen lassen angesichts der Weltlage. Ihr sollt dem Bösen begegnen auf eine Art und Weise, die völlig anders ist: Seid gut! Treibt den Teufel nicht mit dem Beelzebub aus! Sucht nicht den Splitter im Auge eures Nächsten, sondern arbeitet daran, den Balken aus eurem eigenen Auge zu ziehen.
Im Leben von Christinnen und Christen soll sich das fortsetzen, wie Gott mit uns Menschen umgeht. Gott sieht uns an, als ob wir schon gut wären. Gott liebt sich uns zurecht. In dieser Liebe gibt er sich uns selbst hin.
Gott sieht mich so an, als wäre ich gut. Und die Tatsache, dass Gott gut von mir denkt, obwohl mich so Vieles von ihm trennt, die macht mich froh und heil. Gott behandelt mich, als wäre ich ohne Schuld und als hätte ich keine verwundete Seele. Wie könnte ich es anders machen mit meinem Nächsten? Wie könnte ich Rache üben und Vergeltung fordern, wenn doch Gott mich und meinen Nächsten liebt.
„Überwinde das Böse mit Gutem.“ Das kann heißen, aufs Rechthaben und aufs Besserwissen zu verzichten. Nicht darauf bestehen, was mir zusteht. Dafür müssen Christinnen und Christen ganz schön stark sein. Und diese Stärke und dieser Mut, auch mal als der Dumme dazustehen, die kommen von Gott. Einer, die sich von Gott geliebt weiß, wer oder was kann der schon etwas anhaben.
Pfarrer Dr. André Fischer, Fürth
Gebet: Herr, gib mir die Kraft, Böses nicht mit Bösem zu vergelten, sondern jedem Menschen mit Güte zu begegnen. Hilf mir, in Frieden zu leben, soweit es an mir liegt, und das Böse mit dem Guten zu überwinden.



























