Ein Mehrwert bleibt: auch wenn Sprache aneckt

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Raimund Kirch, Mitglied im Herausgeberbeirat des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern. Hintergrundbild: Kraus
Raimund Kirch, Mitglied im Herausgeberbeirat des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern. Hintergrundbild: Kraus

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über die Herausforderungen der KI für die Sprache

„Sprich gefälligst Deutsch“: Diesen Satz muss ich mir öfter anhören, wenn wieder mal ein weniger geläufiges Fremdwort benutzt wird: Oder noch schlimmer, wenn ich einen englischen Begriff einfließen lasse. Ich betreibe dann Gewissenserforschung, die nicht lange anhält. 

Journalismus muss an der gesprochenen Sprache dranbleiben, sage ich mir, freilich sollte er nicht in ein Neusprech verfallen, das aus jeden Friseurgeschäft einen „Barbershop“, aus jedem Schlager einen „Hit“ und aus jedem Mittagsschläfchen einen „Powernap“ macht. 

Bei der Wortwahl paaren sich oft Faulheit mit Überheblichkeit, wenn etwa Filme und Buchtitel nicht mehr übersetzt werden. Bei alledem gilt es wie bei so vielem einen Mittelweg zu finden, der nicht immer bequem ist. 

Wenn etwa der damalige Präsidentschaftskandidat Barak Obama seinen Wahlkampf auf Begriffen wie „Change“ und „Yes we can“ aufbaut, dann muss man das auch stehen lassen können, weil damit mehr ausgedrückt wird als nur „Wandel“ oder „Ja, wir können es“. Obama hatte eine Botschaft damit verknüpft, die kraftvoll rüberkam. 

Von ihm hat sich die so genannte Maga-Bewegung (Make America great again) einiges abgeschaut. Während die Reden, die Interview­beiträge und Statements des Establishments kraftlos wirken, als wären sie durch die Mühlen der stets allwissenden und aal­glatt formulierenden Künstlichen Intelligenz gedreht worden, holzen Populisten kräftig dagegen. 

In Politik und Kirche dagegen trifft man immer öfter Persönlichkeiten und Charaktere, denen Humor und augenzwinkernde Ori­ginalität abhanden gekommen scheint. Kurzum: Es fehlt häufig an Authentizität – leider wieder so ein Fremdwort, womit Echtheit und Glaubwürdigkeit gemeint ist. Damit einher geht ein Vertrauensverlust, den Politik und Journalismus heute gleichermaßen erleben. 

Schuld sind auch und besonders die KI-gesteuerten Allerweltsanalysen, die Artikel, die wir „uns“ schreiben lassen in der Meinung, niemand würde es merken. Fest steht jedoch: Damit schaufeln wir uns unser eigenes Grab. Indem wir jenen das Feld überlassen, die
mit betörend einfachen Lösungen kommen, ohne sie je in die Praxis umgesetzt zu haben. Und wenn Sie lieber Leserinnen, lieber Leser jetzt aufstöhnen und sagen. Wie? Schon wieder die KI? Dann muss ich Ihnen leider antworten, dass darüber hier nicht zum letzten Mal geschrieben wurde.