Wenn aus Abschied Aufbruch wird

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Letzter Wildbad-Empfang von Regionalbischöfin Bornowski vor ihrem Ruhestand Ende 2026

Rothenburg o.d.T. „Ich hoffe nicht, dass der Erlöser lebt!“ Mit diesem Satz überraschte Motivationscoach Johannes Warth die Gäste von Regionalbischöfin Gisela Bornowski beim Sommerempfang im Rothenburger Wildbad. Er reagierte damit unmittelbar auf die Begrüßung der Gastgeberin. Nach einer kleinen Pause fügte der Festredner hinzu: „Nein, ich bin mir sicher.“

Anschließend sprach Warth von seiner Sehnsucht nach einer „frohlockenden Kirche“ – einer Kirche, die selbst froh ist und gerade deshalb Menschen anlockt. Wer Herausforderungen zuversichtlich angehe, eröffne Räume, in denen Zukunft entstehen könne. Wer dagegen von vornherein erwarte, dass ein Vorhaben ohnehin nicht zu schaffen sei, liefere sich leicht einer selbsterfüllenden Prophezeiung aus.

Diese Sätze hallten an dem lauen Abend im Wildbad unter den rund 250 geladenen Gästen lange nach. Denn kaum ein Anlass hätte besser zu ihnen passen können als dieser letzte Sommerempfang Gisela Bornowskis. Bereits zum 1. Januar 2027 wird der Kirchenkreis Ansbach-Würzburg Geschichte sein. Gemeinsam mit Nürnberg und Bayreuth geht er im neuen Kirchenkreis Franken auf.

Die Gastgeberin hatte den Abend bewusst unter das Leitwort „Zukunft braucht Mut – zuversichtlich miteinander weitergehen“ gestellt. Das gelte, erklärte sie, nicht nur angesichts der großen Krisen in Politik und Gesellschaft, sondern ebenso für Kirche und Diakonie. Veränderungen könnten verunsichern, dürften aber nicht lähmen. Schwierigkeiten müssten klar benannt werden. Wer jedoch den Kopf in den Sand stecke, verliere den Blick für das, was trotzdem wachsen könne.

Während Bornowski sprach, wurde vielen bewusst, dass dieser Abend noch einen zweiten Abschied markierte. Es war zugleich ihr letzter Sommerempfang als Regionalbischöfin. Zwölf Jahre lang hat sie den Kirchenkreis geprägt. Ende 2026 wird sie – ein Jahr vor Erreichen der regulären Altersgrenze – in den Ruhestand gehen. Diese Entscheidung habe sie nach reiflicher Überlegung getroffen, erzählte sie im Vorfeld des Abends. Ganz leicht falle ihr der Schritt aber nicht. Zugleich spüre sie, dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginne.

Seit Pfingsten lebt sie nicht mehr in der Dienstwohnung in Ansbach, sondern wieder in ihrem Elternhaus. Nach Jahrzehnten, in denen die Kirche ihren Alltag bestimmte – auch nach der Geburt ihrer Kinder –, möchte sie künftig vor allem für ihre Familie da sein und mehr Zeit mit ihren vier Enkelkindern verbringen. Andere Aufgaben in der Kirche will sie deshalb zunächst nicht übernehmen.

Auch die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern geht Ende 2026 vorzeitig in den Ruhestand. Nur die Bayreuther Regionalbischöfin Berthild Sachs bleibt im Amt. Die Verantwortung für den neuen Kirchenkreis Franken wird sie künftig mit einer neuen Kollegin oder einem neuen Kollegen teilen. Die Stelle soll demnächst ausgeschrieben werden. Deren Dienstsitz wird Ansbach sein, der regionale Schwerpunkt in Mittelfranken liegen. Damit erhält der Kirchenkreis Franken eine Doppelspitze – ähnlich wie der im März 2025 gegründete Kirchenkreis Schwaben-Altbayern.

Doch an diesem Sommerabend standen keine Strukturpläne im Mittelpunkt. Stattdessen bestimmten unzählige Gespräche die Atmosphäre – voller gemeinsamer Erinnerungen und neuer Ideen.

Auch Johannes Warth füllte das kleine, Wort „Mut“ mit Leben. „Wenn Angst im Spiel ist, dann verlieren wir unsere Fähigkeiten“, sagte er. Angst könne dazu führen, dass Menschen sich selbst im Weg stünden: Vorhaben scheitern – begleitet von der ernüchterten Feststellung: „Das habe ich nicht kommen sehen.“

Neu waren solche Gedanken nicht unbedingt. Doch Warths lockere, pointierte Art beschwingte die Zuhörerschaft – ebenso wie die mitreißenden Gospelsongs der „KisSingers“, die die Reden musikalisch umrahmten.

Wer der Zukunft mit Vertrauen statt mit Angst begegne, so Warth weiter, verändere nicht nur seinen Blick auf Herausforderungen. Er werde auch offener für die Möglichkeiten, die sich auftun. Die Haltung, mit der Menschen aufbrechen, entscheidet oft darüber, ob sie überhaupt ankommen. Einen ähnlichen Perspektivwechsel sah Warth in der Frage: „Was kann ich heute geben?“ Sie führe weiter als die bloße Überlegung: „Was kriege ich?“

Diesen Gedanken griff auch die mittelfränkische Regierungspräsidentin Kerstin Engelhardt-Blum in ihrem Grußwort auf. Kirchen, Kommunen, Vereine, Unternehmen und staatliche Institutionen, betonte sie, trügen gemeinsam Verantwortung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit.

Auch Gisela Bornowskis zwölf Jahre als Regionalbischöfin waren alles andere als einfach. Sinkende Mitgliederzahlen und tiefgreifende Strukturreformen verlangten immer wieder schwierige Entscheidungen. Doch sie hielt an einer Überzeugung fest: Veränderungen gelingen nicht allein durch Verordnungen, sondern vor allem dann, wenn Menschen sie gemeinsam gestalten.

So wird sie vielen als eine Regionalbischöfin in Erinnerung bleiben, die das Gespräch suchte, zuhören konnte und Menschen zusammenbrachte. Auch an diesem letzten Sommerempfang wurde nach dem offiziellen Teil spürbar, was damit gemeint ist: Kirche lebt von Beziehungen, von Vertrauen und von Verantwortungsbereitschaft.

Vielleicht lag gerade darin die eigentliche Botschaft dieses Abends. Noch bevor der große kirchliche Umbau vollzogen ist, zeigte sich im Wildbad, wie Aufbruch gelingen kann: nicht ohne Abschied und Unsicherheit, aber getragen von Gemeinschaft und der Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.

Und wenn das Gewohnte dafür nicht mehr ausreicht? Auch dafür hatte Johannes Warth einen Satz mitgebracht: „Wenn das Gewöhnliche nicht funktioniert, musst du zum Außergewöhnlichen greifen.“

Gisela Bornowski nahm diesen Gedanken in ihrem Schlusssegen auf. Sie wünschte den Gästen, es möge ihnen gelingen, „das Beste aus dem Möglichen zu machen“. Dann schloss  sie mit einem Satz, der an diesem Abend zugleich persönlich und programmatisch klang: „Möge das Leben dir blühen.“