Der Paukenschlag zum Krisenauftakt

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Chefredakteurin Susanne Borée, Hintergrundbild von Erich Kraus

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Chefredakteurin Susanne Borée zu 9/11

Wirklich schon ein Vierteljahrhundert seit 9/11? Also 25 ganze Jahre? Welch eine lange Zeit! Doch es scheint immer noch so nah zu sein.

Damals, am 11. September 2001, schien die Welt für einen Augenblick stillzustehen. Ganz selbstverständlich galten Verabredungen, die für diesen Abend geplant waren, nichts mehr. Niemand sagte sie ab, doch niemand ging dorthin. „Da können wir doch nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen“, dachten alle in meinem Umfeld. Die Welt erschien mit diesem Blitzschlag plötzlich wieder verletzlich.  

So starrten wir wie gelähmt auf die Fernsehbilder in Dauerschleife von den einstürzenden Türmen. Und erwarteten schier, dass die Welt mit ihnen in den Abgrund sank. 

Doch das verzögert sich – um dann umso schneller an Fahrt aufzunehmen. Da hatten  wir uns jedoch schon längst wieder dem Alltag zugewandt. Bald jagte eine Krise die nächste: Ter­ror, Kriege, Finanzkrise, Pandemie, Fluchtbewegungen, Klimawandel, Extremwetter, gesellschaftliche Spannungen. 

Ging doch eine einzelne Katastrophe zu Ende, kamen gleich mehrere neue auf uns zu. Diese Dau­erschleife erschöpft besonders. Manch­mal scheint selbst die Hoffnung atemlos geworden zu sein.

Da erscheint es allzu verständlich, dass viele Menschen erschöpft sind. Zukunft er­scheint bedrohlich. Mancher zieht sich zurück oder versucht, möglichst we­nig an sich heranzulassen. Lähmung hilft niemandem – weder uns selbst noch den Mitmenschen.

Andererseits begegnen mir immer wieder Menschen, die sich von Krisen nicht fesseln lassen. Sie pflegen Angehörige. Sie engagieren sich in der Kirchengemeinde oder in der Nachbarschaft. Sie hören zu, trösten, beten, packen an. Sie verändern nicht die ganze Welt. Aber die Welt eines Menschen.

Damit knüpfen sie an die Herausforderung vieler biblischer Geschichten an: über Menschen, die ihre Heimat verloren, Kriege erlebten und dennoch an Gottes Treue festhielten. Sie lebten in der Erwartung, dass, dass sie selbst auf einem schwankenden Boden nicht nur unter den Wolken ihrer Zeit leben – sondern unter dem Himmel Gottes. 

Hoffnung ist nicht die Gewissheit, dass alles gut wird. Sie ist das Vertrauen darauf, dass wir nicht allein sind: Diese Haltung könnte dazu helfen, sich sogar durch eine wankende Welt nicht lähmen zu lassen, sondern wahrzunehmen, welches Handeln gerade wichtig ist: Und dies auch zu beginnen.