Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zur Zusage Jesu uns zu entlasten
Jesus sprach: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Matthäus 11,28–30
Ich habe diese Worte immer schon geschätzt, weil sie so schön paradox sind. Hier wird von Jesus zusammen geschaut, was scheinbar weit voneinander entfernt liegt. Denn wie sollte auch ein Joch sanft und eine Last leicht sein? Last: Das klingt ja schon nach Lastenfahrrad und schwerem Herzen noch dazu. Bei diesem Wort zieht einen alles nach unten.
Kann man das noch jemanden erklären, wie eine Last leicht sein soll? Und überhaupt: Warum sollte man freiwillig ein Joch auf sich nehmen? Was ist eigentlich ein „Joch“ – fragt sich jetzt mancher vielleicht? Gab es früher sicher auf jedem Hof, in dem ein Ochse oder ein Pferd stand. Ich zitiere mal das Wörterbuch: „Ein Joch ist der auf der Stirn bzw. dem Nacken aufliegende Teil des Geschirrs bei Zugtieren wie eingespannten Ochsen oder Kühen.“ Und im übertragenen Sinne heißt es weiter: „Ein Joch ist etwas, dem man unterworfen ist und wodurch die eigene Freiheit stark eingeschränkt ist.“ Und weiter: „scherzhaft – das Joch der Ehe“.
Wer möchte sich also allen Ernstes selbst unter ein solches Joch begeben und bedrücken lassen? Reicht es nicht schon, dass jeder Tag seine eigene „Last“ hat? Von den Lasten brauche ich deshalb an dieser Stelle gar nicht weiterreden, die kennt jeder zu genüge. Spannender ist doch die Frage, wie es sein kann, dass aus einem schweren Joch, doch etwas sanftes, etwas leichtes entstehen kann.
Dieser Leichtigkeit des SEINS nachzuspüren ist doch verlockend. Ich finde sie im Leben Jesu. In der Art, wie er mit Menschen umgegangen ist. Wie er sich Menschen zugewendet hat, denen ihre Last schon von weitem anzusehen war, denen ein „Laster“ nachgesagt wurde oder denen ein übler Ruf längst vorauseilte. Jesus hat kein Bogen um diese Bedrückten und Belasteten gemacht. Er hat sich ihrer ganz bewusst angenommen und sich auf sie eingelassen. Von Angesicht zu Angesicht. Jesus hat ihnen zugehört und mitgetragen, was ihnen zu schwer geworden ist. Und im miteinander und füreinander DA-Sein hat sich dann die Wandlung vollzogen.
Die Wandlung des Schmerzes: Vom Schweren ins Leichte. Vom Joch ins Sanfte. Es ist die Wandlung, wie wir sie auch im Abendmahl Jesu erleben können. Sie geschieht durch das gemeinsame Tragen und getragen werden. Es ist dort zu finden, wo Menschen ihr Leben teilen. Miteinander und füreinander leben. Es ist dort zu finden, wo Menschen beherzt Hand anlegen, weil Hilfe nötig ist. Weil sie gebraucht werden mit ihren Gaben. Ja, mit ihrem Gott – Vertrauen, ihrer Zuversicht und ihrer Liebe.
Das Joch Jesu, zu dem er uns ruft, ist jedenfalls keine Freiheits-Beschränkung und keine Belastung, sondern etwas, das uns mehr trägt, als dass wir es tragen müssten.
Dekan Volker Klemm, Schwabach
Gebet: Jesus, du Quelle lebendigen Lebens, du rufst alle Mühseligen und Beladenen. Erfrische auch uns durch den Strom deiner Kraft und deiner Liebe, die von dir ausgehen wie eine nie versiegende Quelle. Amen.
Lied 213: Kommt her, ihr seid geladen


























