Die neuen Fähigkeiten ebenso würdigen

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Raimund Kirch, Mitglied im Herausgeberbeirat des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern. Hintergrundbild: Kraus
Raimund Kirch, Mitglied im Herausgeberbeirat des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern. Hintergrundbild: Kraus

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt von Raimund Kirch zum Schulstart

Deutsche Schüler schneiden bei der PISA-Studie erschreckend schlecht ab. Das war das Ergebnis der jüngsten Erhebung. Was andere Länder besser machen? Die Antwort: mehr Lehrer, weniger digitale Tools, Konzentration auf bestimmte Lerngebiete, aber auch die Rückkehr zum Leistungsgedanken. 

All diese Punkte wurden in den vielen Kommentaren angeführt. Nur einige haben auch den Zeitgeist mit in Rechnung gezogen, wenige sogar die Mitverantwortung der Eltern zur Diskussion gestellt. Mich hat der neuerliche Pisa-Schock nicht überrascht. 

Zwar liegt die Schulzeit unserer Kinder lange zurück; aber ich habe immer wieder Gelegenheit, mit Schülerinnen und Schüler die öffentlichen Verkehrsmittel nach Schulschluss zu teilen. Sobald sie sich ihren Sitzplatz erkämpft haben, wird sofort das Handy gezückt. Im besten Fall werden Nachrichten getippt, meist aber konzentriert Filmchen geguckt oder Games gespielt. 

Über die ständige Berieselung und klammheimliche Beeinflussung der Kinder bis hin zur Gehirnwäsche braucht eigentlich nichts mehr gesagt werden. Warum ich hier trotzdem noch einmal darauf zu sprechen komme, liegt am Weltkindertag, der auf den kommenden Sonntag fällt; und Anlass ist, über die Situation nachzudenken, der Kinder heute ausgesetzt sind. 

An mangelnder Intelligenz jedenfalls können die unzureichenden Leistungen im Lesen, Verstehen und Rechnen nicht liegen. Kinder von heute haben einen breiteren Horizont als wir, die mit drei TV-Programmen, Fix-und-Foxi-Heftchen und Wählscheibentelefonen aufgewachsen sind. 

Sie beherrschen traumhaft die digitale Technik und sind auch sonst auf der Höhe der Zeit mit all ihren Angeboten. Der immense Input an Bildern, Sketches und Unterhaltung erspart allerdings die Mühe des Lesens, des Reflektierens, der körperlichen Bewegung. Wir Eltern sind da leider oft Vorbild. Kein Wunder auch, dass auch das religiöse Leben davon beeinflusst ist. 

Theologie, darüber schreibe ich auf Seite 12, spielt immer weniger eine Rolle, Glaubensthemen sind out (bis auf das Sonntagsblatt natürlich). Wir Eltern und Großeltern sind meist nicht mehr in der Lage, das zu vermitteln, was einst an Glaubenswissen in Familien existierte. Eine Pisa-Studie über Glaubensvermittlung, da bin ich mir sicher, würde dieses Manko schonungslos bloßstellen.

Raimund Kirch
Mitglied im Herausgeberbeirat, ehemaliger Chefredakteur der Nürnberger Zeitung (NZ)