Was beim Rückbau bleiben muss

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über Jesus als Grund des Glaubens

Paulus schreibt: Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. … Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

Aus 1. Kor 3,9–17

„Rückbau!“, ruft unsere Kirche derzeit. Paulus hatte „Gemeindeaufbau“ vor Augen. Die Gebäudebedarfsplanung liegt auf dem Tisch: In den kommenden zehn Jahren müssen wir uns von der Hälfte unserer Pfarr- bzw. Gemeindehäuser oder Kirchen trennen. Dazu Arbeitsbereiche und Personal reduzieren.

Nur, was wir in den vergangenen Jahrzehnten „gebaut“ haben, waren keine grundlosen Bauten, keine Schwarzbauten. Sie wurden auf dem Grund Jesus Christus gebaut, um seinen Geist in die Lebenswelten der Menschen zu bringen; etwa weil ein neuer Stadtteil entstanden ist – oder weil Menschen etwa in der Klinikseelsorge oder den Bildungswerken einen anderen Zugang zu dem Grund Jesus Christus gebraucht haben. Das Sortieren ist richtig schwierig. Von wegen: „Das eine ist nur Heu; verglimmt schnell wie ein Strohfeuer. Das andere ist ein Edelstein; dieser Bereich darf keinesfalls angetastet werden.“

An jedem kirchlichen Gebäude hängen persönliche Emotionen; da ist man konfirmiert oder getraut worden. In anderen kirchlichen Arbeitsbereichen haben Menschen Orientierung gefunden oder in schwierigen Lebenssituationen wieder einen festen Grund unter die Füße bekommen.

Nun ist die kirchliche Fülle früherer Jahre zum Problem der Gegenwart geworden. Ganz menschlich wird das Feuer geschürt – gegen Arbeitsbereiche, die einem nicht so nahe liegen: „Das kann weg! Aber Meines keinesfalls!“. Hand aufs Herz; wir brauchen diese Leidenschaft für unsere „Bauwerke“ im Glauben; davon lebt unsere Kirche. Zumal Christus als das Fundament der Kirche kein toter Beton ist, auf dem wir unsere Denkmäler errichten. Das Fundament lebt! Und weil der Grund lebt, muss auch der Bau lebendig sein: Wir sind lebendige Steine (vgl. 1. Petr 2,5).

Vielleicht bauen wir in Zukunft öfter – sinnbildlich gesprochen – mit Holz oder verwenden gar nur Zeltplanen statt Stein und Mörtel. Flexibel, mobil, bereit, dorthin zu gehen, wo Menschen sind. Kirche als Bewegung, weniger festzementiert und „immobil“. Ist das der große Umbau, der ansteht?

Jürgen Körnlein, Stadtdekan in Nürnberg

Gebet: Erbaue uns als Tempel, in denen dein Geist wohnt und aus denen dein Geist strömt – in jede Begegnung und in all unser Tun und Lassen.