Zwischen Mauern und Lebensfragen

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Ein guter Teil des Teams um den neuen Rothenburger Stadtpilgerweg (von links): Frank Elebracht, Werner Weber, Dekanin Jutta Holzheuer, Horst Fechner, Organisatorin Maria Rummel, Tourismuspfarrer Dr. Oliver Gußmann, Carmen Kühlwein und Richard Rummel als Fotograf. Foto: Borée
Ein guter Teil des Teams um den neuen Rothenburger Stadtpilgerweg (von links): Frank Elebracht, Werner Weber, Dekanin Jutta Holzheuer, Horst Fechner, Organisatorin Maria Rummel, Tourismuspfarrer Dr. Oliver Gußmann, Carmen Kühlwein und Richard Rummel als Fotograf. Foto: Borée

Wie eine Stadt zum Resonanzraum wird

Rothenburg o. d. T. Ein Tor wird zur Schwelle, die Stadtmauer zum Bild für Grenzen, ein Garten zum Ort des Aufbruchs: Beim „Stadtpilgern“ in Rothenburg bekommen vertraute Orte eine neue Bedeutung. Wer sich auf die beiden neuen Pilgerwege einlässt, soll nicht neue Fakten über die historische Stadt erfahren. Vielmehr geht es darum, den eigenen Lebensweg neu in den Blick zu nehmen.

Die Idee dazu brachte Maria Rummel vor anderthalb Jahren aus Frankfurt mit. Dort hatte die Pilgerbegleiterin und Referentin am Bildungswerk „Bildung evangelisch zwischen Tauber und Aisch“ erlebt, wie gut Pilgern auch mitten in einer hektischen Großstadt funktionieren kann. 

Warum also nicht in Rothenburg? Gemeinsam mit einem Team aus zehn engagierten Menschen entwickelte sie die Idee weiter: Sie widmeten sich ein ganzes Jahr lang diesem Projekt. Ortskenntnis und besondere Fähigkeiten kamen zusammen: Dekanin Jutta Holzheuer etwa übernahm das Layout der Broschüre, Richard Rummel fotografierte.

Entstanden ist eine handliche Broschüre mit zwei Wegen, die sich in beide Richtungen gehen lassen. Kartenausschnitte an den einzelnen Stationen helfen bei der Orientierung. Dass sich auch Ortsfremde zurechtfinden, war Dekanin Jutta Holzheuer besonders wichtig – deshalb wurden die Wege mehrfach erprobt.

Auf ihnen „geht es nicht darum, möglichst viele Fakten über die Stadt zu erfahren“, so Rummel. Für Carmen Kühlwein ist es ein „spirituelles Unterwegssein“. Tourismuspfarrer Dr. Oliver Gussmann beschreibt das Ziel so: In den Spuren der Pilger vor ihm könne jeder seinen eigenen Weg zu Gott finden. Beim Pilgern öffnet der äußere Weg einen inneren.

Die erste Route führt durch den Klostergarten, entlang der Stadtmauer zum Burggarten, oberhalb des Weingartens an der „Riviera“ vorbei und zur Kneippanlage – und zurück. Die Orte bieten neue Impulsen für persönliche Lebensfragen: Was bedeutet Aufbruch? Welche Belastungen trage ich mit mir? Was gibt mir Kraft? Wie gelingt es, im Augenblick anzukommen? Und was kann ich aus den „Vorratskammern“ des Lebens mit in den Alltag nehmen?

Die zweite Route erweitert die Impulse und Inhalte: Von St. Jakob geht es über den Schrannenplatz und durch die Galgengasse zum Friedhof und zurück in die Altstadt. Hier stehen Erinnerungen und Entscheidungen, Schwellen und Engstellen, Halt und Nähe im Mittelpunkt. Fragen drängen sich auf: Was bleibt vom Leben? Welche Träume tragen mich? Und wer geht an meiner Seite?

Unterstützung fand das Pilotprojekt vom Referat für Kirche in Tourismus und Sport der Evangelisch-
Lutherischen Kirche in Bayern mit einem Zuschuss für den Druck. Auch das Rothenburger Tourismusbüro half mit und möchte die Inhalte künftig online zugänglich machen.

So gelingt es, „dem Alltag Schritt für Schritt zu entfliehen, um mit der Seele bei Gott und mir selbst anzukommen.“ Davon ließ sich Jutta Holzheuer berühren. Durch den Pilgerweg bekommen vertraute Orte eine neue Tiefe: Sie werden zum Resonanzraum für Lebensfragen. Und die Idee soll nicht an den Mauern Rothenburgs enden. Das Team möchte seine Erfahrungen gerne weitergeben.

Die Broschüre ist kostenfrei erhältlich beim Tourismusbüro Rothenburg, in der St. Jakobs-Kirche, beim Café Lebenslust gegenüber oder beim Ev. Bildungswerk an Tauber und Aisch, Tel. 09861/977600 oder der E-Mail bildung.buero.tauberaisch@elkb.de. Es begleitet auch Gruppen auf Anfrage auf den Touren.