Brot als Zeichen für Gottes Fürsorge

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt zu Erntedank

Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Es waren aber etwa viertausend.

Markus 8,1–9

Es ist vom Erntedankaltar nicht wegzudenken: Das große, kunstvoll verzierte Schaubrot. Gebacken aus lebenswichtigem Getreide, steht es für die gesamte Ernte. Es verkörpert den Dank für das „tägliche Brot“ und Gottes Fürsorge. 

Der Mensch lebt eben doch auch vom Brot und Gottes Fürsorge schließt das leibliche Wohl ein. Die Speisung der 4.000 erzählt davon: Drei Tage hatte die Menge Jesus zugehört. Gottes Wort haben sie also reichlich genossen. Ihre Seelen düften fürs Erste satt und kaum noch aufnahmefähig gewesen sein. Über Hunger klagt niemand, aber Jesus fällt auf, dass sie so gut wie nichts gegessen hatten. Er sorgt sich, wie sie derart geschwächt heil nach Hause kommen sollen und handelt, bevor der erste umfällt. 

Diese vorauseilende Fürsorge fordert heraus. Unser Sozialwesen etwa setzt auf Eigenverantwortung. Wer etwas braucht, muss sich selbst kümmern. Wie kompliziert und würdelos das werden kann, weiß jeder, der schon einmal versucht hat, Pflegestufen, spezielle Pflegemittel oder sonstige Unterstützungsleistungen zu beantragen. Jesus wartet auf keinen Antrag. Er lässt Brot und Fische austeilen. Kein Festmahl, aber genug. 

Erstaunlich, dass es reicht. Nur sieben Brote können die Jünger auftreiben. Doch bevor wir lange nach einer Erklärung suchen: Es ist ein Wunder und das soll es auch sein. Wir sollen staunen, wie weitherzig und umfassend Jesus für die Seinen sorgt. Das Brot, das er austeilt, ist mehr als nur ein Brot. Es steht für alles, was uns zum Leben tagtäglich wunderbar geschenkt wird. 

In diesem Brot spiegelt sich die ganze Fürsorge Gottes wider, denn letztlich vollbringt er das Wunder und erweist sich als fürsorglicher, vertrauenswürdiger Vater. Und wenn es heißt „ … Jesus nahm die Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern …“, dann leuchtet das Abendmahl auf. Im Abendmahl wird Jesus selbst zum Brot, das seine Gemeinde stärkt auf ihrem weiten Weg nach Hause. So viel mehr als Essen steckt in diesem Brot, das Jesus austeilt. Wir haben allen Grund zu danken.

Jutta Holzheuer, Dekanin in Rothenburg

Gebet: Jesus Christus, mein Herr und Bruder, ich danke dir, dass du mir Brot zum Leben schenkst für meine Seele und für meinen Bauch. Du weißt, was ich brauche, und lässt mich auch in den Einöden meines Lebens nicht verhungern. Dir sei Lob und Preis. Amen. 

Lied 502: Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit