Der Segen steht im Mittelpunkt

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In der Rothenburger St. Jakobs-Kirche hielt Pfarrerin Sabine Baier die Segensfeier für ein Paar. Foto: Bek-Baier
In der Rothenburger St. Jakobs-Kirche hielt Pfarrerin Sabine Baier die Segensfeier für ein Paar. Foto: Bek-Baier

„Einfach heiraten“: Bilanz der Aktion vom 26.6.2026 in einigen Gemeinden Mittelfrankens

Rothenburg o. d. T. Ein Paar aus Amerika wollte nur die Kirche St. Jakob in der romantischen Altstadt von Rothenburg ob der Tauber besichtigen. Da erfuhren sie von der Aktion „einfach heiraten“ – und standen am nächsten Morgen, den 26.6.26, wieder in der Kirche, um  den Segen für ihre Partnerschaft zu erneuern.

So wie dieses Paar ließen sich zwölf Paare vor dem prächtigen gotischen Flügelalter segnen. Die Paare kamen aus dem Dekanat, ganz Bayern, der ganzen Republik, der Schweiz, Großbritannien und den USA. Am Ende des Tages waren es in Rothenburg zwölf Segnungen und fünf Trauungen. Von ihnen wussten neun vor dem Eintreten in die Kirche noch nichts davon, dass sie heute spontan und unkompliziert den Segen für ihre Partnerschaft empfangen können – geschweige denn, dass sie es selbst tun werden. 

Doch nach einem kurzen Willkommen im Eingangsbereich durch das hiesige Dekanats-Team von „einfach heiraten“ und einem 20-minütigem persönlichen Gespräch gab es einen ebenso langen Trau- oder Segnungsgottesdienst, bei festlicher Musik. Doch stets stand der Segen im Mittelpunkt. 

Das Dekanat Rothenburg beteiligt sich an der Aktion „einfach heiraten“ von Anfang an. Sie wurde 2023 von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ins Leben gerufen – 2026 fand sie erstmals bundesweit statt. An 369 Orten in ganz Deutschland und mehr als 60 Kirchen und besonderen Orten in Bayern konnten sich Paare in diesem Jahr spontan und unkompliziert trauen oder segnen lassen. Aber auch in anderen Dekanaten wurde sich beteiligt.

Donauwörth, Dekanat Donau-Ries: „Ein spontanes Paar sah das Plakat an der Eingangstüre und war schwupps dabei“, freut sich Kirchenvorsteherin und Mesnerin Birgit Baier. In der Christuskirche wurden am 26.6. fünf Paare getraut und 14 Paare gesegnet. Es war auch ein gleichgeschlechtliches Paar dabei. 

„Bei den zwei vorangemeldeten Paaren hatten zwei ihren Partnern erst eine Stunde vorher etwas gesagt  – und die komplette Verwandtschaft hatte dicht gehalten.“ Ein Paar heiratete nach 53 Ehejahren kirchlich. Den Rollator stellten sie hinten in der Kirche ab und hängten sich gegenseitig ein bis zum Altar. Am Ausgang gab es eine Seifenblasenparade und Sonnenblumen. 

Die Gemeinde hatte groß aufgefahren: Zehn Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Dekanat Donau-Ries, eine Organistin, sechs Mesnerinnen und Mesner, ein Liedermacher, eine Band und zwei Gospelchöre begleiteten den Tag. Der Blumenschmuck wurde von einer Floristin zum Materialpreis zur Verfügung gestellt. „So viele Küsse an einem Tag in der Kirche, soviele Vaterunser, die ich gebetet habe“, sagt Birgit Baier. 

57mal Glockenläuten via Handschaltung für die Mesner fiel an. „Die Glocken 4, 5 und 6 hatten an diesem Tag viel Arbeit – und kein Nachbar beschwerte sich über den ,Lärm‘“, so die Mesnerin. Am Abend hätten alle Helfenden sichtlich zufrieden gewirkt– und manche Tränen der Rührung flossen. „Es war eine unglaubliche Stimmung den ganzen Tag über – soviel Heiliger-Geist-Aura spüre ich selten!“ 

Dinkelsbühl, Dekanat an Sulzach und Wörnitz:  Genauso sieht es Diakonin Claudia Grunwald aus Dinkelsbühl. Dort wurden in diesem Jahr drei Paare getraut und sechs gesegnet, berichtet Diakonin Claudia Grunwald. „Den Paaren war vor allem der Segen wertvoll“, so die Diakonin. Es kamen unterschiedliche Paare: Alte und Junge, aus Dinkelsbühl, aus Augsburg und sogar aus Hessen. 

„Jedes Paar hatte seine eigene Geschichte“, weiß die Diakonin. „So oft flossen Tränen der Freude, der Rührung und auch der Erleichterung, weil im Zuhören und Segnen auch Schweres mitgetragen werden konnte und Leichtigkeit spürbar wurde.“ Und weiter: „Berührend ist es, wenn Paare, die kirchlich sehr verbunden sind, nach 27 Jahren, in denen nie der richtige Zeitpunkt für eine kirchliche Trauung war, sich zur Trauung entscheiden.“

„Die Paare haben sich auf ‚einfach heiraten‘ eingelassen und die ganze Sache genossen: ein vertrauensvolles Gespräch, die festliche Feier mit dem Höhepunkt der Segnung, die Überraschung und Freude am Ausgang mit dem Glückwunsch-
Team – so viele wertvolle, geschenkte Augenblicke.

Als bereichernd für die Gemeinde vor Ort wurde empfunden, dass die Mitarbeitenden an all den verschiedenen Einsatzorten sich mit ihren Gaben einbringen konnten und dabei aufgeblüht sind. Es gab unterschiedliche Musik in diesem Jahr, jede Stunde ein anderes Repertoire zur Auswahl. Eine Sängerin war dabei, die sich im vergangenen Jahr selbst mit ihrem Partner den Segen hatte zusprechen lassen. Ein ganz besonderes Wiedersehen.

Dombühl, Dekanat Feuchtwangen: In der kleinen mittelfränkischen Gemeinde wurden zwei Paare getraut und vier gesegnet. „Ich wehre mich gegen den Vorwurf, der Segen würde bei einfach heiraten verschleudert“, sagt Gemeindepfarrer Klaus Lindner. Sein Eindruck ist, dass bei den Trauungen, die sonst das Jahr über stattfinden, die kirchliche Handlung mit dem Segen nur schmückendes Beiwerk sei. Der „Pomp und die Show“, wie er es bezeichnet, stünden allzu oft im Mittelpunkt. 

Das Gegenteil sei bei „einfach heiraten“ der Fall. Bei dieser Form des Heiratens sei alles Überflüssige weg und das Entscheidende steht im Mittelpunkt: der Segen. „Solche Trauungen mache ich mit Herzblut.“ Bezeichnend findet er die Aussage eines Paares: „Wenn es dieses Angebot nicht gegeben hätte, hätten wir uns nicht trauen lassen“. 

Dennoch gab es auch in Dombühl feierliche Elemente: „Julian Bach spielte das Keyboard und ich griff zu meiner Geige, die Mesnerinnen boten in einem Pavillon vor der Kirche Selbstgebackenes und Getränke an.“

Burgbernheim, Dekanat Bad Windsheim: Auch die kleine mittelfränkische Gemeinde Burgbernheim beteiligte sich an der Aktion und konnte in diesem Jahr drei Trauungen und drei Segnungen zählen. Ein Ehepaar, das spontan vorbeigekommen ist, war schon 40 Jahre verheiratet und hat sich nun kirchlich trauen lassen. 

Zwei Musiker aus Nürnberg umrahmten die Trauungen und Segnungen mit stimmungsvoller Musik. Auch spontane Wünsche konnten von den professionellen Musikern erfüllt werden. Ein Catering das von Ehrenamtlichen im Gemeindehaus vorbereitet wurde nahmen die Paare mit ihren Gästen gerne vor und nach dem Gottesdienst dankbar an.  

Pfarrer Martin Bek-Baier, Beauftragter im Dekanat Rothenburg für die Aktion