Frisch, fromm, fröhlich, frech

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Raimund Kirch, Mitglied im Herausgeberbeirat des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern. Hintergrundbild: Kraus
Raimund Kirch, Mitglied im Herausgeberbeirat des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern. Hintergrundbild: Kraus

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Raimund Kirch

Lieber einen Freund verloren als eine Pointe verpasst. Diesen Satz eines vormaligen Kollegen habe ich immer noch im Ohr. Dieser Kollege hatte die Gabe eines unverstellten Blicks, er konnte großartig Witze zum Besten geben und er nahm sich – vor allem – kein Blatt vor den Mund. Das passte nicht allen und führte letztlich dazu, dass er nach seinem Volontariat nicht als Redakteur übernommen wurde. 

In dieser Gefahr befindet sich Ralf Frisch nicht. Der ordinierte Pfarrer der Bayerischen Landkirche und Professor an der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EHKN) eckt zwar mit seinem frechen Feuilletonstil in Beiträgen und Büchern in bestimmten Kreisen an; doch ist damit seine Stelle nicht gefährdet. Im Gegenteil. Von Kollegen in der Lehre, aber auch von Studierenden der EHKN bekam er jüngst Rückendeckung. Da die Hochschulleitung auf Distanz zu ihrem Professor gegangen war und öffentlich betont hatte, Ralf Frisch spreche nicht im Sinne der Hochschule. 

Frisch hatte in einem epd-Gespräch, das in Auszügen auch in diesem Blatt zu lesen war, gesagt, es gehöre zu seinem Jobprofil als Theologie-Professor, Kirchenkritik zu üben. Wörtlich hatte er gesagt: „Wenn Karl Barth recht hat, dass Dogmatik die Selbstprüfung der christlichen Kirche hinsichtlich der Frage ist, ob diese Kirche eigentlich noch ihrem Gegenstand – dem Evangelium – entspricht, dann gehört das schlicht zu meinem Job“. Er setze sich kritisch mit Kirche auseinander, „nicht, weil ich sie ablehne“, sondern weil sie ihm am Herzen liege. 

Das Präsidium konnte dem auch nicht wirklich Wesentliches entgegensetzen; sprach lediglich davon, dass man in einer „menschenfreundlichen Kirche“ auch andere Meinungen zulassen müsse. Nun, das hat Frisch ja für sich in Anspruch genommen. Was seine Kollegen wahrscheinlich am meisten geärgert hat, ist sein provokanter Schreibstil, wenn er etwa in manchen späten Äußerungen Dietrich Bonhoeffers Atheismus zu erkennen meint, oder satirisch Teddybären mit dem Kuschelgott vergleicht. 

Ich lese seine Essays und Beiträge gern. Sie fordern mich und manchmal überfordern sie mich gar mit ihrer Gedankenflut und dem Bilderreichtum. Ich verstehe aber auch, dass dieser Stil manche auf die Palme bringt. Und ich frage mich manchmal, ob Frisch nicht auch nach dem Motto vorgeht: Lieber einen Freund verloren, als auf eine Pointe verzichtet.